Literaturlandschaft Ruhrgebiet

Von der Städtestadt zur Metropole Ruhr, von der Industriekultur zur Kulturindustrie. Das Ruhrgebiet ist spannend. Erleben Sie mit mir den Wandel und die literarische Vielfalt in ausgesuchten Hör- und Videobeiträgen. Hier finden Sie zudem Kommentare und Kurzbiografien der beteiligten Personen, Informationen zum REVIERCAST-Projekt, Verweise auf verwandte Projekte sowie aktuelle Nachrichten aus der Literaturszene im Revier.

Viel Vergnügen beim Stöbern ...

Karl-Heinz Gajewsky

"Inzwischen habe ich mir Ihre Website angesehen, das ist ja ein Opus magnum, an dem Sie da arbeiten, die literarische Kartographierung des Ruhrgebiets, großartig, und mich haben Sie damit in beste Gesellschaft aufgenommen."

Andreas Rossmann, FAZ

Literaturpreis Ruhr 2015 (Hauptpreis) geht an Sascha Reh

Der in Duisburg geborene Romancier Sascha Reh erhält den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Ruhr für sein Gesamtwerk. Mit seinen bisher erschienenen drei Romanen ist Sascha Reh eine feste Größe unter den jüngeren deutschsprachigen Schriftstellern geworden. Die siebenköpfige Jury des Literatur-preises Ruhr war besonders von der thematischen Bandbreite der Romane Sascha Rehs tief beeindruckt. 
Der Literaturpreis Ruhr wird 2015 zum 30. Mal verliehen. Zu den Preisträgern gehörten bisher u. a. Liselotte Rauner und Jürgen Lodemann, Ralf Rothmann und Brigitte Kronauer, Frank Goosen und Fritz Eckenga. 

Mit dem Förderpreis des Literaturpreises Ruhr werden Britta Heidemann für ihre Erzählung "Schwimmen mit Seehund" und Robin Berg für seinen Text "Im anderen Bett" ausgezeichnet. Die Jury wählte die beiden Beiträge aus 230 Einsendungen zum Wettbewerbsthema "Doppelleben" aus. Der Förderpreis ist mit je 2.555 Euro dotiert. 
Der Literaturpreis Ruhr wird jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut. 
Die öffentliche Preisverleihung findet statt am 13. November 2015 um 19.30 Uhr im Gelsenkirchener Consol Theater. 

Zu den Autoren: 
Sascha Reh 
Schon mit seinem Debütroman "Falscher Frühling" (2010) überzeugte Sascha Reh (geb. 1974) die Literaturkritik. Darin nahm Reh mit der Lebensgeschichte eines Regisseurs am Ende seiner Karriere die Seltsamkeiten und Fallstricke des deutschen Regietheater-betriebs in den Fokus - und entwickelte zugleich eine Beziehungs- und Familien-geschichte großen Formats. 
Rehs zweiter Roman "Gibraltar" (2013) verknüpfte die Finanzkrise des Jahres 2008 mit Schicksalen der Migranten, die übers Mittelmeer nach Europa fliehen. Souverän und leidenschaftlich erzählend verbindet Reh mit seinem in diesem Jahr erschienenen Chile-Buch "Gegen die Zeit" einen psychologisch subtilen Bildungsroman mit der politisch-historischen Dimension des Putsches gegen Salvador Allende. 
Der bereits mehrfach ausgezeichnete, heute in Berlin lebende und als Therapeut arbeitende Preisträger studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. Er hat bereits in den Jahren 2004 und 2008 mit zwei Erzählungen den Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr erhalten.

Britta Heidemann 
Britta Heidemann (geb. 1971) stammt aus Mülheim/Ruhr und arbeitet als Kulturredakteurin. Sie ist Mutter von achtjährigen Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in Essen. In ihrer Erzählung "Schwimmen mit Seehund" jongliert sie poetisch-artistisch mit dem Thema "Doppelleben": 
Marie lernt quasi aus Versehen den Meeresbiologen Simon kennen, der als Ehemann und Liebhaber zwei Leben an zwei Orten lebe, wie er ihr erzählt. Seiner Frau habe er gesagt, er arbeite seit Monaten in der Stadt am Fluss (die Mülheim verdächtig ähnlich sieht), während er in Wahrheit, wie er Marie gesteht, auf einer Nordseeinsel jobbe und dort eine Freundin habe. Marie als vermeintliche Leiterin einer Agentur für Doppelleben hilft Simon, sie sucht ihm eine Wohnung, richtet sie ein und erfindet ihm zunächst Fragmente eines Pseudo-Lebens, das sich jedoch zunehmend verselbständigt. Und das hochkomplexe Spiel um Liebe, Identität und Lebensentwürfe geht weiter. 

Robin Berg 
Robin Berg (geb. 1989) aus Bochum schreibt seit seinem elften Lebensjahr und studiert an der Ruhr-Universität Philosophie und Literaturwissenschaft. 

In seiner Kurzgeschichte "Im anderen Bett" erzählt er von Claudio Augustino Wagenstein, der eines Morgens nach einer mit Freunden durchzechten Nacht fern von Zuhause in einem anderen Bett, neben einer anderen Frau, in einem ganz anderen Leben aufwacht. Verwirrt muss er feststellen, dass sich außer ihm niemand darüber wundert. Vergeblich versucht der verzweifelte Wagenstein, sich zu orientieren, doch das Vexierbild seines Lebens scheint endgültig verrutscht zu sein - eine ebenso gekonnte wie originelle Interpretation des Themas "Doppelleben". 

LesArt.Preis der jungen Literatur 2015

An die jungen Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Dortmund!

Der bedeutendste Preis für junge Literatur in Dortmund, der »LesArt.Preis der jungen Literatur«, wartet auf euch. Wenn ihr aus Dortmund seid, jünger als 35 und schreibt - was auch immer, die Hauptsache: gut - seid ihr eingeladen, eure Texte einzusenden.
Einsenden könnt ihr maximal 3 Texte Prosa - Erzählungen, keine Lyrik - mit jeweils maximal 10 Seiten Din A4 an:
oder 
LesArt.Festival 
c/o literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, 44139 Dortmund.

Der Einsendeschluss ist Freitag, der 23. Oktober 2015.
Eine fachkundige Jury wählt aus den Einsendungen den Preisträgertext des »LesArt.Preis der jungen Literatur 2015«. Dieser Preis ist mit EUR 800,– dotiert, wird von der Sparkasse Dortmund gestiftet und bei der LesArt.Matinee am 15. November 2015 überreicht.
Wir wünschen euch Glück.
Das LesArt.Team

Das Literaturbüro Ruhr e.V. präsentiert im Rahmen seiner Reihe „ruhrSpott“

Christine Sommer und Martin Brambach lesen Sigismund von Radecki und 
Michael Klaus:
Hin- und hergerissen zwischen Gare du Nord, Gladbeck & Gelsenkirchen
Große Meister der kleinen Form – ein Abend mit Satiren & Feuilletons 

In Kooperation mit der Stadtbücherei Gladbeck
Freitag, 11. September 2015, 20 Uhr
Stadtbücherei Gladbeck
Friedrich-Ebert-Str. 8, 45964 Gladbeck

Eintritt: 8/10 € (Vorverkauf/Abendkasse); Schüler/Studenten/Arbeitssuchende frei
Kartenreservierung und -abholung in der Stadtbücherei empfohlen
Karten unter 0 20 43.99 26 58 oder zahlen per eCash unter 

Michael Klaus (1952 – 2008) wurde als Satiriker bekannt, doch im Satiriker steckte auch ein geborener Erzähler, einer, der abwarten konnte, geduldig und genau hinsah. So wurde er einer aus der Bruderschaft der Alltagserzähler, der Sarkasten und Lakoniker. Über Gelsenkirchen-Mitte schrieb er: „Dieser Stadtteil wird nachts beleuchtet von der Panik seiner Bewohner!“ Und damit hatte er auch gleich das Lebensgefühl vieler Ruhrgebietler kalt erwischt: das Gefühl, immer bloß in einem Vorort einer Vorstadt ein Vorleben vor dem wirklichen Leben zu führen. Vom Weggehen zu träumen und dann das Reisetagebuch doch am heimischen Küchentisch zu schreiben.
Er brachte verlorene Verlierer zur Sprache und zum Sprechen, verbrauchte Verbraucher, abseitige Mitläufer, kleine Anarchisten und Saboteure des Alltags: Nahaufnahmen von Weitsichtigen und Zukurzgekommenen. „Seine Texte sind Geschenke vom seltsamen Lieblingsonkel“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. 

Sigismund von Radecki, 1891 geboren in Riga, arbeitete als Student einer Bergakademie in der ‚Kohlenhölle‘ des Aachener Reviers, als Bewässerungsingenieur lebte er in Turkestan, als Elektroingenieur in Berlin. Er übersetzte Puschkin und Gogol ins Deutsche, war einige Jahre Karl Kraus in Wien nah, zeichnete, schauspielerte, lebte lange in einer Züricher Pension, wenn er nicht auf Vortragsreise war. 1970 starb er in Gladbeck, wo die Stadt auch sein Ehrengrab pflegt. 2014 verlegte der Wallstein Verlag seine Feuilletons neu unter dem Titel ‚Die Stimme der Straße‘. Der Herausgeber beschließt sein Nachwort ‚Expeditionen in ein unbekanntes Leben‘ mit dem Satz, hier sei „ein Schriftsteller von europäischem Rang wiederzuentdecken“. Radecki, der nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Humorist galt, erzielte mit dem ‚ABC des Lachens‘ (Rowohlt Verlag, 1953) einen dauerhaften Verkaufserfolg, die Auflage ging in die Hunderttausende.

Martin Brambach war u. a. am Schauspielhaus Bochum, dem Wiener Burgtheater und der Schaubühne Berlin festes Ensemblemitglied. Seit August 2001 ist er freiberuflich tätig und spielt nun hauptsächlich Film- und Fernsehrollen, etwa in ‚Das Leben der Anderen‘, ‚Der Vorleser‘ oder ‚Oh Boy‘. Für das Dresdner Tatort-Team ermittelt er in Zukunft als Kommissar. 

Christine Sommer erwarb ihr Schauspiel-Diplom am Max Reinhardt Seminar in Wien.
Sie spielte in Kinofilmen wie ‚Blaubeermeise‘ und ‚Harms‘, in vielen TV-Serien und -Filmen wie ‚Die Chefin‘ oder ‚Der letzte Bulle‘. Bei den Ruhrfestspielen sah man sie und Martin Brambach zuletzt mit ihrem Charles Bukowski-Programm ‚Roter Mercedes‘. 


Das Projekt "ruhrspott" wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stiftung der Sparkasse Gladbeck zur Förderung von Kunst und Kultur, die Stadt Gladbeck sowie die Kooperationspartner in den beteiligten Städten.

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Herholz

Wissenschaftlicher Leiter
Literaturbüro Ruhr e.V.
Tel.: (0049) 02043 992 168


Die Arbeit des Literaturbüros Ruhr e.V. wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW), vom Regionalverband Ruhr (RVR), der Stadt Gladbeck und den Mitgliedern des Literaturbüros Ruhr sowie zahlreichen Sponsoren und Partnern.