Literaturlandschaft Ruhrgebiet

Von der Städtestadt zur Metropole Ruhr, von der Industriekultur zur Kulturindustrie. Das Ruhrgebiet ist spannend. Erleben Sie mit mir den Wandel und die literarische Vielfalt in ausgesuchten Hör- und Videobeiträgen. Hier finden Sie zudem Kommentare und Kurzbiografien der beteiligten Personen, Informationen zum REVIERCAST-Projekt, Verweise auf verwandte Projekte sowie aktuelle Nachrichten aus der Literaturszene im Revier.

Viel Vergnügen beim Stöbern ...

Karl-Heinz Gajewsky

"Inzwischen habe ich mir Ihre Website angesehen, das ist ja ein Opus magnum, an dem Sie da arbeiten, die literarische Kartographierung des Ruhrgebiets, großartig, und mich haben Sie damit in beste Gesellschaft aufgenommen."

Andreas Rossmann, FAZ

7. deutsch-türkischen Buchmesse RUHR 2011 „1001 Nachtschichten – 50 Jahre türkische Einwanderung“

1961 brachen die türkischen Gastarbeiter auf nach Deutschland, als am 31. Oktober das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei geschlossen wurde. Nur das Nötigste in einen Koffer gepackt, kamen sie ins ferne Almanya, denn sie hatten gar nicht vor für immer zu bleiben – damals, vor 50 Jahren. Was nun vor einem halben Jahrhundert als „mobile Reservearmee“ angelegt war, die Engpässe ausgleichen sollte ohne dabei das deutsche Sozialsystem dauerhaft zu belasten, entwickelte sich bald schon in eine Vielzahl von Dauergästen. Mittlerweile leben drei Millionen türkischstämmige Migranten in Deutschland – Grund genug die diesjährige Buchmesse RUHR vom 14. bis 23. Oktober unter dem Motto „1001 Nachtschichten – 50 Jahre türkische Einwanderung“ zu veranstalten.

So wird auch dieser Herbst ganz im Zeichen der türkischen und türkischdeutschen Literatur stehen. Wie empfanden damals die Gastarbeiter ihre Entfernung zur Heimat? Wie verarbeiteten sie die Probleme in der neuen Umgebung? Hat sich nach 50 Jahren deutsch-türkischen Zusammenlebens ein gemeinsamer Alltag entwickelt? All dies und noch viele weitere Fragen sollen auf der Buchmesse literarisch nachempfunden und ausdiskutiert werden.

Die Buchmesse RUHR präsentiert neben einer großen Bücherausstellung in türkischer und deutscher Sprache auch ein sehr buntes und vielversprechendes Literaturprogramm. In elf Städten des Ruhrgebiets werden insgesamt 45 Veranstaltungen und Ausstellungen an 36 verschiedenen Orten stattfinden.
www.buchmesse-ruhr.de

Die Arbeit in der Literatur: von „schwerer Arbeit“ zu „Schöner Arbeiten“

Vortrag von Hanneliese Palm, Fritz-Hüser-Institut Dortmund, am 26.09.2011, 19:30 Uhr, "die flora", Gelsenkirchen. Vom 18.09. - 30.10.2011 wird parallel die Ausstellung "Aus unserem Leben in die Freiheit - Lisa Tetzner und Kurt Kläber/Held: Leben und Werk" in der Flora gezeigt.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nimmt die Literatur sich der Themen der Arbeit und dem Arbeitsalltag an: bei der Heroisierung der Arbeit, zur Selbstreferenz der Arbeitenden, als Aufruf zur Solidarität oder als Propaganda gegen unwürdige Arbeitsbedingungen. Dabei wird der „Blick von außen“ ergänzt durch sich entwickelnde Literaturszenen aus der Arbeiterschaft selbst mit höchst unterschiedlichem literarischem Anspruch. Nach dem Zweiten Weltkrieg muss die Arbeitswelt von der Literatur erst (wieder-)entdeckt werden. In der Gegenwart steht „Arbeit“ längst für viel mehr als nur Industrie- und Büroarbeit. Mit konkreten Beispielen von Heinrich Heine bis Willy Bredel, von Max von der Grün bis Kristof Magnusson spürt der Vortrag diesen Wandlungen nach.

Hanneliese Palm ist Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts der Stadt Dortmund. Das Fritz-Hüser-Institut ist das einzige wissenschaftliche Institut in Europa, das Quellen und Dokumente zur Literatur- und Kulturgeschichte der Arbeitswelt sammelt, erforscht und darstellt. Es verfügt über eine der größten Sammlungen zur Arbeiterkulturbewegung mit Bibliothek und Archiv aus der Zeit von 1848 bis heute mit Monografien und z. T. sehr seltenen Zeitschriften, Nachlässen, Kunst- und Mediensammlungen, insbesondere Grafiken und Fotos.

Für das Ruhrgebiet besonders interessant ist zum einen der Aufenthalt Kurt Kläbers von Ende 1920 bis Sommer 1923. In dieser Zeit arbeitete er als Bergmann auf der Zeche Centrum in Wattenscheid und war in der Arbeiterbildungs- und Arbeiterliteraturszene sehr aktiv. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit flossen in mehrere Romane und Erzählungen (z. B.: „Barrikaden an der Ruhr“, 1925) ein. Zum anderen kam Lisa Tetzner wiederholt als Märchenerzählerin zu Vorträgen ins Ruhrgebiet. Ihre Eindrücke über „Das Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr“ schilderte sie in ihrem gleichnamigen, 1923 veröffentlichten Buch. Ihre späteren Aktivitäten im Ruhrgebiet sind u. a. dokumentiert in der Kulturzeitschrift „Der Schacht“, die in den 1920er Jahren in Bochum von Fritz Wortelmann, dem späteren FIDENA-Gründer, herausgegeben wurde.
Anhand von Text-Bild-Tafeln, ausgewählten Originaldokumenten, Exponaten aus dem Nachlass, umfangreicher Literaturpräsentation sowie Originaltonaufnahmen zeigt die Ausstellung die Lebenswege von Lisa Tetzner und Kurt Kläber auf.

Verleihung des Ernst Meister-Preises für Lyrik 2011

Der Ernst Meister-Preis für Lyrik 2011 wird Marion Poschmann für ihren Lyrikband „Geistersehen“ 2010, zuerkannt. Die Jury zeichnet die Autorin für die „sinnliche Präsenz ihrer Gedichte und die ausgewogene Balance von Aura und Verständlichkeit aus. In ihren Texten zeigt sich die hohe Kunst der Identität von Dichten und Denken.“
Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, ist Trägerin zahlreicher Literaturpreise, so erhielt sie in 2011 den renommierten Peter Huchel-Preis, den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2007 und den Literatur- preis Ruhr 2005.
Westfälischer Förderpreis 2011: Jan Skudlarek
1986 in Hamm geboren, lebt in Münster.
Thalia Förderpreis 2011: Daniela Seel
1974 in Frankfurt a.M. geboren, lebt in Berlin.

Samstag, 3.9. 2011, 18.00 Uhr
Kunstquartier, Museumsplatz 3, 58095 Hagen
Die Preise werden durch den Oberbürgermeister der Stadt Hagen, Herrn Jörg Dehm, verliehen.

Grußwort: Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin
Laudatio: Dr. Susanne Schulte, GWK
Moderation: Claudia Belemann, WDR
Musik: Bino Dola Trio mit Bino Dola und Juan Lama