Literaturlandschaft Ruhrgebiet
Von der Städtestadt zur Metropole Ruhr, von der Industriekultur zur Kulturindustrie. Das Ruhrgebiet ist spannend. Erleben Sie mit mir den Wandel und die literarische Vielfalt in ausgesuchten Hör- und Videobeiträgen. Hier finden Sie zudem Kommentare und Kurzbiografien der beteiligten Personen, Informationen zum REVIERCAST-Projekt, Verweise auf verwandte Projekte sowie aktuelle Nachrichten aus der Literaturszene im Revier.
Viel Vergnügen beim Stöbern ...
"Inzwischen habe ich mir Ihre Website angesehen, das ist ja ein Opus magnum, an dem Sie da arbeiten, die literarische Kartographierung des Ruhrgebiets, großartig, und mich haben Sie damit in beste Gesellschaft aufgenommen."
Andreas Rossmann, FAZ
Ausgezeichnet Literaturpreis Ruhr - 33 Porträts - hier: Karl-Heinz Gajewsky (Preisträger 2013)
1986 stiftete der Kommunalverband Ruhrgebiet, Vorläufer des heutigen Regionalverbands Ruhr, einen Preis zur Förderung der Literatur im und über das Ruhrgebiet. 2019 wurde der Literaturpreis Ruhr neugestaltet - Anlass für einen Rückblick auf die bisher Ausgezeichneten. Lebhafte, manchmal persönliche Porträts mit fundierten Hintergrundinformationen und eingestreuten Textauszügen stellen die Preiträger*innen der Jahre 1986 - 2018 vor. Sie vermitteln einen Eindruck vom reichhaltigen literarischen Leben in einer ehemaligen Industrieregion und wollen Lust aufs Weiterlesen machen.
Herausgeber:Regionalverband RuhrAutor:Volker W. Degener, Jens Dirksen, Hannes Krauss
ISBN:978-3-86206-838-8
Ausgabe:September 2020Ausführung:Hardcover, 208 Seiten
Anmerkung:Kettler Verlag, Dortmund
Preisträger 2013:
Karl-Heinz Gajewsky
* 25.10.1952
Was gäben wir heute darum, die Stimmen von Goethe, Shakespeare oder Ovid hören zu können! Dass zumindest die Ruhrgebietsliteratur auch für künftige Generationen hörbar sein wird, ist das Verdienst von Karl-Heinz Gajewsky. Er hat seit 2007 in der Internetplattform Reviercast, in diesem einzigartigen, »Schallarchiv« genannten Text-, Ton- und Video-Schatzhaus der Ruhrgebietsliteratur, inzwischen Hunderte von Tondokumenten für die (Welt-) Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Der 1952 in Dortmund geborene Sozialarbeiter war bis dato im Ruhrgebiet eher für andere Tätigkeiten bekannt – als Liedermacher »Kalle« Gajewsky, der viele musikalische Projekte gemeinsam mit Literaten wie Heinz Kahlau, Ilse Kibgis, Lilo Rauner oder Richard Limpert in Angriff genommen und die Musik zu diversen Fernsehproduktionen komponiert hat, etwa zur ARD-Serie Gut Land und zu Fernsehfilmen wie Fast ein Prolet, Gruppe 61, Hamsterjahre oder Auferstanden. Zudem hat er etliche Sammelbände mit Texten von Ruhrgebietsautoren herausgegeben.
Sein wirkmächtigstes Projekt aber bleibt der Ruhrpodcast, weil all das Aufnehmen, das Sammeln und das Zugänglichmachen von Original-Tönen der Literatur die denkbar größte Öffentlichkeit erreicht. So verdienstvoll in einem kulturellen, historischen, buchstäblich literarischen Sinne Gajewskys Reviercast ist, er betreibt ihn unentgeltlich, ehrenamtlich – was angesichts der im Ruhrgebiet bereits vorhandenen Literatur-Institutionen umso verdienstvoller ist. Gajewskys Arbeit ist Arbeit für die Literatur und an der Literatur.
Die ersten Archive, die in der Antike eingerichtet wurden, dienten auch, aber eben nicht nur als Entsorgungsplatz für Unterlagen, die eine allmählich sich ausbreitende Bürokratie vorderhand nicht mehr benötigte; ein »Archeion« war im Griechischen darüber hinaus auch ein Amts-, ein Regierungs-, ein Herrscher-Gebäude. Der Antike war der Zusammenhang von Überlieferung und Macht, von Vergangenheit und Gegenwart noch überaus präsent. Ein Archiv haben sich immer diejenigen geschaffen, welche die Macht in Händen hielten. Die alte Gleichung, nach der die Mächtigen Archive haben, gilt inzwischen auch reziprok: Wer ein Archiv hat, hat Macht. Insofern arbeitet Karl-Heinz Gajewsky an der Geschichtsmächtigkeit der Literatur und der Menschen im Revier.
Wer das Archiv hat, hat nämlich nicht nur die Deutungshoheit über die Geschichte, sondern sogar deren unentbehrliche Grundlage, das Gedächtnis in seinem Besitz. Das scheint überhaupt der tiefere Sinn solcher Begriffe wie »bewahren« oder »verwahren« zu sein: Die Dokumente werden wahr durch den Akt ihrer Konservierung. Im Ruhrgebiet herrschen, abgesehen vom NRW-Landesarchiv in Duisburg, neben den allerorts vorhandenen städtischen Archiven bislang vor allem die Firmen-, die Industrie- und Wirtschaftsarchive vor. Immerhin, das Archiv der Arbeiterjugendbewegung gibt es noch, in Oer-Erkenschwick, und das Dortmunder Fritz-Hüser-Institut bietet ebenfalls einige Archivalien zur »Literatur und Kultur der Arbeitswelt«. Ein Autoren-, ein Literaturarchiv aber, das war vollkommen neu, als Karl-Heinz Gajewsky 2006 mit den Plänen für seinen Reviercast begann, die wir getrost als Akt einer Geschichtsschreibung »von unten« begreifen können. Er begann an jenem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung einer »Literatur der Arbeitswelt« im Ruhrgebiet allmählich verblasst war, an dem Schriftstellerinnen und Schriftsteller, ihre Schreibweisen und Bücher »endlich so wie überall« zu werden schienen, um einmal den Titel einer großartigen Ausstellung von Ruhrgebietsfotografie in den 1980er-Jahren zu zitieren.
Was Karl-Heinz Gajewsky da mit seinem Reviercast bislang 400fach und in Zukunft gewiss noch viel-hundertfach macht, ist in jeder Hinsicht zeitgemäß, nicht nur wegen der Aufnahmetechnik und der Präsentationsweise. Er sammelt zum einen die Spuren, die von der engagierten Arbeiterliteratur, dem bis heute herausragenden Beitrag des Ruhrgebiets zur Literaturgeschichte, noch erhalten sind, noch gehört, noch gesehen werden können. Ganz so, als hätten Autoren wie Kurt Küther und Ilse Kibgis insistiert, wie es einst Hans Sahl in einem sehr viel dunkleren Zusammenhang getan hat: »Fragt uns, wir sind die letzten!« Es ist das Dokumentarische mit Blick auf die Vergangenheit, das Karl-Heinz Gajewskys Reviercast zu einem derart einmaligen Projekt macht. Für einige Stimmen der Ruhrgebietsliteratur wie etwa für Josef Büscher kam er zu spät – wie überhaupt die ganze Aufnahmetechnik zu spät gekommen ist für alle, die gern wüssten, wie Schillers und Büchners Stimmen eigentlich klangen. Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen: Dass die Internet-Seite Reviercast noch rechtzeitig kam, um Spuren der älteren Revierliteratur zu dokumentieren, noch rechtzeitig, um die Stimme des viel zu früh verstorbenen Michael Klaus und seine Worte in jeder Hinsicht aufzuheben. Zugleich aber hat Karl-Heinz Gajewsky, hat seine Internetplattform längst auch schon die neuere Ruhrgebietsliteratur im Blick. Und auf Band, wie man in analogen Zeiten vielleicht noch gesagt hätte – tatsächlich aber in Bits und Bytes, in html und mp3.
Unter www.reviercast.de lässt sich nicht nur hören, sondern auch besichtigen, welche Bandbreite die Ruhrgebietsliteratur heute hat – ein Grund zum Staunen! Nicht nur darüber, dass alle Träger des Literaturpreises Ruhr dort verzeichnet sind und gewiss jetzt schon einige der zukünftigen Preisträger (deshalb hat die Auszeichnung ja auch eine gewisse immanente Logik). Staunen lässt sich vielleicht noch mehr über die vielen Namen, die längst nicht mehr nur rheinisch-westfälisch-polnische Wurzeln haben, sondern auch türkische, italienische, georgische, ukrainische und andere.
Wenn einer wissen will, ob die Ruhrgebietsliteratur doch nicht nur »endlich so wie überall« klingt, ob sie sich ihre Bücher, ihre Werke immer noch von ihren Rändern her erarbeitet, wie Gerd Herholz das einmal auf den Punkt gebracht hat, dann findet sich genau dies im Reviercast eindrucksvoll dokumentiert. Die Ränder der Literatur, an denen das Revier so erfolgreich arbeitet, das sind nicht mehr nur die Reportagen aus der Arbeitswelt, das sind längst auch Krimi und Kinderbuch, das ist das Kabarett, die Satire, das Sachbuch oder eine mündliche Literaturform wie der Poetry Slam. Denn selbstverständlich sind auch solche untergründigen Kultfiguren wie Sebastian23 oder populäre Autoren wie das »Lehrerkind« Bastian Bielendorfer im Reviercast verzeichnet. Dass die Ruhrgebietsliteratur immer noch einen eigenen, wenn auch neuen Zungenschlag hat, das hört man nirgends besser als in den Aufnahmen, die Karl-Heinz Gajewsky da erstellt hat. Wenn sich die Organisatoren der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 dagegen entschieden haben, das Projekt Reviercast zu unterstützen, ging es bei diesem Mega-Event nicht um Dauer und Substanz, sondern um Feuerwerke zur Image-Pflege.
So, wie für das deutsche Bürgertum des 19. Jahrhunderts aus Mangel an nationaler Einheit die Kultur, die Verehrung der Dichter und Denker zum identitätsstiftenden Moment wurde, leisten da vielleicht auch verdienstvolle Initiativen wie Karl-Heinz Gajewskys Reviercast für die Möchtegern-Metropole Ruhr. Gut nur, dass Reviercast im Internet zu Hause ist und nicht irgendwo zwischen Holzwickede und Neukirchen-Vluyn. Sonst könnte es am Ende noch dazu dienen, dass sich irgendeine Ruhrgebietsstadt der anderen gegenüber wieder einmal kirchturmhoch überlegen fühlt. Nein, Reviercast ist nicht von einer Stadt zuwege gebracht worden, nicht von einer Universität, nicht von einem Unternehmen oder einem Verband, sondern von einer einzelnen Person: rund zehn Stunden wendet »Kalle« Gajewsky, wie Freunde und Verehrer ihn nennen, im Durchschnitt für jeden neuen Reviercast-Beitrag auf. Manchmal interviewt er Schriftsteller, manchmal restauriert und digitalisiert er alte Video- oder Tonbänder, manchmal besucht er Lesungen oder andere öffentliche Veranstaltungen wie zum Beispiel Literaturpreisverleihungen mit seinen Aufnahmegeräten. Die viele Arbeit, die das macht, reicht von der Aufnahme über den Schnitt eines solchen Beitrags bis hin zur Einstellung auf der Homepage, für die wiederum eine Formatierung nötig ist. Alles für sich immer nur ein leichter Tastendruck, ein kleiner Mausklick – alles zusammengenommen eine Riesenarbeit.
Das aber, finden wir ja nur allzu gern, ist wirklich typisch Ruhrgebiet: Da lamentiert einer nicht herum, weil die öffentliche Förderung fehlt, weil keiner sonst sich kümmert, weil das eigentlich zu viel der Zumutung ist für einen allein. Nein, das alles macht Karl-Heinz Gajewsky nicht, sondern er krempelt die Ärmel auf. Und macht sich an die Arbeit. Besorgt sich mehr und mehr an professioneller Ausrüstung. Und fragt und nimmt auf und schneidet und konfiguriert alles digital und stellt es ins World Wide Web. Was dabei herausgekommen ist, lädt zu »einer akustischen Reise durch die Literaturlandschaft Ruhgebiet« ein, wie es der Literarhistoriker Walter Gödden beschrieben hat. Es ist aber auch ein Denkmal der Revier-Literatur in Tönen und Bildern. Reviercast, das Ton- und Bild-Archiv der Ruhrgebietsliteratur, das ist ein »Pott-Cast« im wahrsten Sinne des Wortes, und der kommt wie gesagt ohne jede öffentlich-rechtliche Unterstützung zustande. Aber vielleicht stellt sich die ja eines Tages doch noch ein. Zu wünschen wäre es allemal.
Jens Dirksen
Dienstag, 8. Dezember 2020
Autorinnenlesung "Alltagsheldinnen"
Autorinnenlesung "Alltagsheldinnen":
Inge und Sarah Meyer-Dietrich lesen aus ihren Romanen & sprechen mit Gerd Herholz
Donnerstag, 9. Februar 2017, 20 Uhr
Lesecafé der Stadtbücherei Gladbeck, Friedrich-Ebert-Str. 8
Eintritt: 5,- Euro
Das hat Seltenheitswert: Mutter und Tochter veröffentlichen im selben Jahr beim selben Verlag ihre Romane.
So 2016 geschehen beim Verlag Henselowsky Boschmann mit "Leben und Träume der Mimi H." und "Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen". Was beide Romane eint, ist eine große Empathie für kleine Leute und das besondere Interesse für die Lebensgeschichten und den sorgsam beobachten Alltag von Frauen.
Zu Inge Meyer-Dietrichs Roman "Leben und Träume der Mimi H.":
Eine Familiengeschichte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs bis zum Beginn des Faschismus. Die Näherin Mimi lernt den Schmied Heinrich kennen. Sie heiraten, Mimi findet endlich ein Zuhause. Manchmal aber hat sie das Gefühl, dass Heinrich etwas vor ihr verbirgt. Doch das kann ihr Glück nicht schmälern. Dann verändert der Erste Weltkrieg Mimis Leben radikal. Und es kommt auch ans Licht, was Heinrich und seine Familie ihr verschwiegen haben. Aber Mimi ist eine Kämpferin, die nicht aufgibt. Eine starke Protagonistin, die den Lesern hautnah ein Stück Zeitgeschichte des Ruhrgebiets nahebringt.
Inge Meyer-Dietrich ist seit 1986 freie Autorin, hat über 30 Bücher veröffentlicht, überwiegend für junge Leser. Zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, u. a. erhielt sie den Literaturpreis Ruhr für ihr Gesamtwerk. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Gelsenkirchen und hat drei erwachsene Kinder; beide Töchter sind schriftstellerisch tätig.
Zu Sarah Meyer-Dietrichs Roman "Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen":
Das Ruhrgebiet heute - eine Region, in der sich die Schicksale kreuzen. Es sind nicht nur Züge, S- und U-Bahnen, die Meyer-Dietrichs Figuren von Duisburg bis Dortmund verbinden. Es sind auch persönliche Begegnungen, familiäre Verstrickungen, Dinge und Motive, die die einzelnen Geschichten verknüpfen. Jens Dirksen schrieb in der WAZ: "Es ist die große Stärke von Sarah Meyer-Dietrich, wie sie feinnervig Seelenlagen nachspürt und Bilder für die innere Spiegelung von Erfahrungen findet. (...) Fremde werden vertraut, ohne darum weniger fremd zu sein."
Sarah Meyer-Dietrich studierte Wirtschaftswissenschaft und promovierte in Bochum. Heute ist sie freie Autorin, Dozentin für kreatives Schreiben und Projektleiterin im Bereich kulturelle Bildung. Sie erhielt für ihre Erzählungen bereits einige Literaturpreise und Stipendien.
Samstag, 28. Januar 2017
Literaturpreis Ruhr 2017
Seit 1986 vergeben der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro Ruhr e.V. jährlich diesen Preis für Literatur.
Während mit dem Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr die Preisträger für ihr literarisches, literaturkritisches, literaturwissenschaftliches oder verlegerisches Werk ausgezeichnet werden, gehen die beiden Förderpreise an den literarischen Nachwuchs, der sich mit unveröffentlichten Texten selbst bewerben muss.
Der Literaturpreis Ruhr ist mit seiner jährlichen Preissumme von 15.110 Euro (10.000 Euro für den Hauptpreis, je 2.555 Euro für die beiden Förderpreise) die wichtigste Auszeichnung für Autorinnen, Autoren, Kritiker und Verleger, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Schriftsteller auch von außerhalb, die über diese Stadtlandschaft schreiben.
Mit der ansehnlichen Liste der Hauptpreisträger des Literaturpreises Ruhr - von Max von der Grün bis zu Michael Klaus, von Liselotte Rauner und Ralf Rothmann zu Brigitte Kronauer, von Ralf Thenior, Frank Goosen und Marion Poschmann zu Norbert Wehr, Fritz Eckenga, Sascha Reh oder Jürgen Brôcan- steigt sein Ansehen von Jahr zu Jahr.
Die Förderpreise 2017 werden ausgeschrieben für Geschichten zum Thema "Das Klopfen an der Tür".
Wenn es an der Tür klopft, scheinen Alltag und Geschichte für einen Moment die Luft anzuhalten. Man befindet sich drinnen oder draußen, und mehr denn je ist es auf beiden Seiten der Tür eine Frage der Perspektive, welche Geschichten nun beginnen. Manchmal bedeutet das Klopfen, zumal für den, der so Einlass begehrt, nur das Festhalten an Umgangsformen; vielleicht rührt sich darin auch der Wunsch, die Geheimnisse hinter der Tür nicht zu plötzlich oder besser gar nicht zu entdecken. Das Klopfen kann zaghaft klingen oder sich zum Hämmern steigern, es kann die Dinge und ganze Lebensgeschichten wenden, Dämme brechen lassen oder auch ganz und gar vergebens sein.
Der Einsendeschluss für Vorschläge zum Hauptpreis und für Bewerbungen um die Förderpreise ist der 30. Juni 2017 (Datum des Poststempels).
(Förderpreis-Texteinsendungen per Mail sind nicht zulässig.)
Zusendung der Ausschreibung in der Druckversion: Literaturbüro, Tel.: 02043-992644.
Die vollständige Ausschreibung kann auch übers Internet unter der Adresse www.literaturbuero-ruhr.de abgerufen werden.
Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45964 Gladbeck
Tel.: (0049) 02043 992 168
Fax: (0049) 02043 9917 2168
www.literaturbuero-ruhr.de
http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
Die Arbeit des Literaturbüros Ruhr e.V. wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW), vom Regionalverband Ruhr (RVR), der Stadt Gladbeck und den Mitgliedern des Literaturbüros Ruhr sowie zahlreichen Sponsoren und Partnern.
Mittwoch, 25. Januar 2017
Wie wir leben wollen. Texte für Solidarität und Freiheit
Ein Lese- und Gesprächsabend mit Kristine Bilkau, Ulrike Draesner und Julia Weber, moderiert von Matthias
Jügler.
In Kooperation mit der
LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Donnerstag, 29. September 2016, 20 Uhr
LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen
Eintritt: 6/8 € (Vorverkauf/Abendkasse)
Karten unter 02 08.41 24 92 8 oder unter ludwiggalerie@oberhausen.de ludwiggalerie.de.
Hunderttausend Menschen suchen gegenwärtig in Europa Zuflucht vor Krieg, Hunger und Verfolgung. Viele davon erreichen nach monatelanger Odyssee Deutschland, hier hoffen sie auf Schutz und die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Anstelle eines Refugiums finden sie jedoch ein gespaltenes Land, denn in den Augen vieler Bürger sind die Geflüchteten häufig vor allem eine Bedrohung, die es schleunigst loszuwerden gilt. Matthias Jügler hat in seiner Anthologie ‚Wie wir leben wollen‘ Autorinnen und Autoren zu Wort kommen lassen, die sich aus höchst unterschiedlichen Blickwinkeln der Frage nach Heimat, Identität und Fremde stellen.
Kann Schreiben solidarisch sein? Jüglers Antwort lautet: Ja, unbedingt. In einem Klima, in dem sich der gesellschaftliche und politische Diskurs verschärft, müssen Schriftsteller, Publizisten, Intellektuelle und Verleger Stellung beziehen. Gesprächspartnerinnen Matthias Jüglers sind an diesem Abend die Autorinnen Kristine Bilkau, Ulrike Draesner und Julia Weber. In ihren Texten blicken sie auf die eigenen Wurzeln, ergründen nicht nur die Ängste der aus ihren Heimatländern Geflüchteten, sondern versuchen auch Antworten zu geben auf neue Lebenswirklichkeiten.
Kristine Bilkau ist Journalistin und Schriftstellerin. Sie war u. a. Stipendiatin der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin sowie des Künstlerdorfes Schöppingen und wurde mit dem Hamburger Literaturförderpreis und dem Klaus-Michael Kühne-Preis für ihren 2015 erschienenen Debütroman ‚Die Glücklichen‘ ausgezeichnet. Sie lebt in Hamburg.
Ulrike Draesner veröffentlichte ihr erstes Buch 1995, seither erschienen mehrere Romane und Gedichtbände, Essays und Erzählungen. Sie ist mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Preis der Literaturhäuser, dem Solothurner Literaturpreis und dem Joachim-Ringelnatz-Preis und stand mit ihren Romanen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Sie lebt derzeit in Oxford, England. draesner.de.
Julia Weber studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. 2012 gründete sie den Literaturdienst und verfasst seither Auftragsliteratur für jeden Anlass, literarische Porträts, Dokumentationen, Gedichte, Briefe und Geschichten. Sie lebt in Zürich. literaturdienst.ch Matthias Jügler studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er übersetzt Literatur aus dem Norwegischen und war u. a. Stadtschreiber in Pfaffenhofen, Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin sowie Writer in Residence des Goethe-Instituts in Taschkent, Usbekistan. 2015 erschien sein Debütroman ‚Raubfischen‘. Er gab 2016 die Anthologie ‚Wie wir leben wollen‘ heraus. matthiasjuegler.de (Das Projekt „Ausgebootet – Macht & Subversion in der Literatur“ wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stiftung der Sparkasse Gladbeck zur Förderung von Kunst und Kultur und die Stadt Gladbeck.)
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8 45964 Gladbeck
Tel.: (0049) 02043 992 168
www.literaturbuero-ruhr.de
http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
In Kooperation mit der
LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Donnerstag, 29. September 2016, 20 Uhr
LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen
Eintritt: 6/8 € (Vorverkauf/Abendkasse)
Karten unter 02 08.41 24 92 8 oder unter ludwiggalerie@oberhausen.de ludwiggalerie.de.
Hunderttausend Menschen suchen gegenwärtig in Europa Zuflucht vor Krieg, Hunger und Verfolgung. Viele davon erreichen nach monatelanger Odyssee Deutschland, hier hoffen sie auf Schutz und die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Anstelle eines Refugiums finden sie jedoch ein gespaltenes Land, denn in den Augen vieler Bürger sind die Geflüchteten häufig vor allem eine Bedrohung, die es schleunigst loszuwerden gilt. Matthias Jügler hat in seiner Anthologie ‚Wie wir leben wollen‘ Autorinnen und Autoren zu Wort kommen lassen, die sich aus höchst unterschiedlichen Blickwinkeln der Frage nach Heimat, Identität und Fremde stellen.
Kann Schreiben solidarisch sein? Jüglers Antwort lautet: Ja, unbedingt. In einem Klima, in dem sich der gesellschaftliche und politische Diskurs verschärft, müssen Schriftsteller, Publizisten, Intellektuelle und Verleger Stellung beziehen. Gesprächspartnerinnen Matthias Jüglers sind an diesem Abend die Autorinnen Kristine Bilkau, Ulrike Draesner und Julia Weber. In ihren Texten blicken sie auf die eigenen Wurzeln, ergründen nicht nur die Ängste der aus ihren Heimatländern Geflüchteten, sondern versuchen auch Antworten zu geben auf neue Lebenswirklichkeiten.
Kristine Bilkau ist Journalistin und Schriftstellerin. Sie war u. a. Stipendiatin der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin sowie des Künstlerdorfes Schöppingen und wurde mit dem Hamburger Literaturförderpreis und dem Klaus-Michael Kühne-Preis für ihren 2015 erschienenen Debütroman ‚Die Glücklichen‘ ausgezeichnet. Sie lebt in Hamburg.
Ulrike Draesner veröffentlichte ihr erstes Buch 1995, seither erschienen mehrere Romane und Gedichtbände, Essays und Erzählungen. Sie ist mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Preis der Literaturhäuser, dem Solothurner Literaturpreis und dem Joachim-Ringelnatz-Preis und stand mit ihren Romanen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Sie lebt derzeit in Oxford, England. draesner.de.
Julia Weber studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. 2012 gründete sie den Literaturdienst und verfasst seither Auftragsliteratur für jeden Anlass, literarische Porträts, Dokumentationen, Gedichte, Briefe und Geschichten. Sie lebt in Zürich. literaturdienst.ch Matthias Jügler studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er übersetzt Literatur aus dem Norwegischen und war u. a. Stadtschreiber in Pfaffenhofen, Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin sowie Writer in Residence des Goethe-Instituts in Taschkent, Usbekistan. 2015 erschien sein Debütroman ‚Raubfischen‘. Er gab 2016 die Anthologie ‚Wie wir leben wollen‘ heraus. matthiasjuegler.de (Das Projekt „Ausgebootet – Macht & Subversion in der Literatur“ wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stiftung der Sparkasse Gladbeck zur Förderung von Kunst und Kultur und die Stadt Gladbeck.)
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8 45964 Gladbeck
Tel.: (0049) 02043 992 168
www.literaturbuero-ruhr.de
http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
Dienstag, 20. September 2016
Mord am Hellweg 2016
Vom 17. September bis zum 12. November begrüßt "Mord am Hellweg" über 400 mitwirkende AutorInnen, ModeratorInnen, MusikerInnen, SchauspielerInnen und weitere KünstlerInnen, die in mehr als 200 Veranstaltungen an etwa 90 Tatorten in 25 Städten für Spannung und beste Unterhaltung sorgen werden.
Der Kartenvorverkauf läuft bereits seit Februar, jetzt legt Mord am Hellweg das komplette Programm auch als Printversion vor. Das Programmheft informiert auf weit über 100 Seiten kompakt und nach Städten geordnet über das diesjährige Lesungsprogramm, die Ticketoptionen und VVK-Stellen sowie über verschiedene Sonderprojekte wie die Festival-Anthologie, den Europäischen Preis für Kriminalliteratur, die ExtraFahrt! mit dem Hellweg-Crime-Express oder das diesjährige Kinder- und Kinoprogramm. Krimischriftsteller aus über zwanzig Nationen werden erwartet, darunter Meister des Genres wie M.J. Arlidge, Esmahan Aykol, Joanna Bator, Mark Billingham, Cilla und Rolf Börjlind, Declan Burke, Chris Carter, Paul Cleave, Justin Cronin, Arne Dahl, Gary Disher, Joy Fielding, Paul Finch, Nicci French, Tess Gerritsen, Arnaldur Indriðason, Petros Markaris, Cody McFadyen, Bernhard Minier, Dror Mishani, Jo Nesbø, Malla Nunn, Tony Parsons, Karin Perry, Ursula Poznanski, Donald Ray Pollock, Craig Russell, Yrsa Sigurðardóttir, Karin Slaughter, Helene Tursten, Martin Walker oder Joakim Zander. Mit Bram Dehouck, Charles den Tex, Erik Kriek und Anita Terpstra kommt eine starke niederländisch-flämische Delegation an den Hellweg, aber auch namhafte deutschsprachige Autoren sind im Programm vertreten: darunter Friedrich Ani, Max Bentow, Christa Bernuth, Christian von Ditfurth, Horst Eckert, Andreas Eschbach, Veit Etzold, Sebastian Fitzek, Doris Gercke, Ule Hansen, Elisabeth Herrmann, Jürgen Kehrer, Martin Krist, Volker Kutscher, Ingrid Noll, Arno Strobel oder Klaus-Peter Wolf, die Schweizer Mitra Devi und Michael Theurillat sowie österreichische Erfolgsautoren wie Bernhard Aichner, Marc Elsberg, Andreas Gruber oder Thomas Raab.
Das Publikum darf sich zudem auf besondere Veranstaltungsorte freuen, wie etwa Schloss Cappenberg in Selm, der Lüdenscheider Kultkneipe "Im Stock" (Alte Druckerei), der "Five Star"- Ranch in Bad Sassendorf, dem Bestattungshaus Hof Bellevue in Unna oder dem Emscherquellhof in Holzwickede.
Das Programmheft wird in ganz NRW und teilweise darüber hinaus distribuiert und im Ruhrgebiet und in der Hellweg-Region an vielen Kulturstätten ausliegen. Es kann zudem ab sofort beim i-Punkt Unna im zib (02303) 10 37 77 oder beim Westfälischen Literaturbüro in Unna e.V. (02302) 96 38 50 auch telefonisch oder per Mail (zib-i-punkt@stadt-unna.de oder post@wlb.de) angefordert werden.
Alle Veranstaltungen sind nach wie vor auch über den Veranstaltungskalender auf der Festival-Website www.mordamhellweg.de zu finden. Dort können ebenfalls Tickets gebucht und auch lokale VVK-Stellen ermittelt werden. Impressum Mord am Hellweg VIII ist ein Projekt der Kulturregion Hellweg. mit oder in den Kreisen, Städten und Gemeinden Ahlen, Bad Sassendorf, Bergkamen, Bönen, Dortmund, Fröndenberg, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herdecke, Holzwickede, Iserlohn, Kamen, Lüdenscheid, Lünen, Schwerte, Soest, Oelde, Unna, Unna (Kreis), Wickede (Ruhr), Witten und in Kooperation mit der HanseTourist Unna, den Bürger-und Kulturzentren „Rohrmeisterei Schwerte", der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke, dem Tagungs-und Kongresszentrum Bad Sassendorf, MELANGE (Gesellschaft zur Förderung der Salon- und Kaffeehauskultur e.V.), dem Literaturmuseum Westfalen (Kulturgut Haus Nottbeck) und der Westfalen-Initiative Münster (für den Krimitag Westfalen in Oelde).
Festivalleitung Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V., Dr. Herbert Knorr, Nicolaistraße 3, 59423 Unna, Fon: (02303) 96 38 50, Fax: (02303) 96 38 51, E-Mail: post@wlb.de, Homepage: www.wlb.de Kreisstadt Unna, Kulturbetriebe (Bereich Kultur), Sigrun Krauß M.A., Lindenplatz 1, 59423 Unna, Fon: (02303) 10 37 20, Fax: (02303) 10 37 99, E-Mail: sigrun.krauss@stadt-unna.de, Homepage: www.unna.de Hauptförderer/Förderer/Partner/Medienpartner (Stand 04/16) Land Nordrhein-Westfalen, Sparkasse UnnaKamen, Busse & Bahnen NRW, Regionalverband Ruhr (RVR), Gemeinschaftsstadtwerke Kamen · Bönen · Bergkamen, Stiftung Westfalen-Initiative, Ringhotel Katharinen Hof, WDR 5, WELT am SONNTAG (NRW)
Der Kartenvorverkauf läuft bereits seit Februar, jetzt legt Mord am Hellweg das komplette Programm auch als Printversion vor. Das Programmheft informiert auf weit über 100 Seiten kompakt und nach Städten geordnet über das diesjährige Lesungsprogramm, die Ticketoptionen und VVK-Stellen sowie über verschiedene Sonderprojekte wie die Festival-Anthologie, den Europäischen Preis für Kriminalliteratur, die ExtraFahrt! mit dem Hellweg-Crime-Express oder das diesjährige Kinder- und Kinoprogramm. Krimischriftsteller aus über zwanzig Nationen werden erwartet, darunter Meister des Genres wie M.J. Arlidge, Esmahan Aykol, Joanna Bator, Mark Billingham, Cilla und Rolf Börjlind, Declan Burke, Chris Carter, Paul Cleave, Justin Cronin, Arne Dahl, Gary Disher, Joy Fielding, Paul Finch, Nicci French, Tess Gerritsen, Arnaldur Indriðason, Petros Markaris, Cody McFadyen, Bernhard Minier, Dror Mishani, Jo Nesbø, Malla Nunn, Tony Parsons, Karin Perry, Ursula Poznanski, Donald Ray Pollock, Craig Russell, Yrsa Sigurðardóttir, Karin Slaughter, Helene Tursten, Martin Walker oder Joakim Zander. Mit Bram Dehouck, Charles den Tex, Erik Kriek und Anita Terpstra kommt eine starke niederländisch-flämische Delegation an den Hellweg, aber auch namhafte deutschsprachige Autoren sind im Programm vertreten: darunter Friedrich Ani, Max Bentow, Christa Bernuth, Christian von Ditfurth, Horst Eckert, Andreas Eschbach, Veit Etzold, Sebastian Fitzek, Doris Gercke, Ule Hansen, Elisabeth Herrmann, Jürgen Kehrer, Martin Krist, Volker Kutscher, Ingrid Noll, Arno Strobel oder Klaus-Peter Wolf, die Schweizer Mitra Devi und Michael Theurillat sowie österreichische Erfolgsautoren wie Bernhard Aichner, Marc Elsberg, Andreas Gruber oder Thomas Raab.
Das Publikum darf sich zudem auf besondere Veranstaltungsorte freuen, wie etwa Schloss Cappenberg in Selm, der Lüdenscheider Kultkneipe "Im Stock" (Alte Druckerei), der "Five Star"- Ranch in Bad Sassendorf, dem Bestattungshaus Hof Bellevue in Unna oder dem Emscherquellhof in Holzwickede.
Das Programmheft wird in ganz NRW und teilweise darüber hinaus distribuiert und im Ruhrgebiet und in der Hellweg-Region an vielen Kulturstätten ausliegen. Es kann zudem ab sofort beim i-Punkt Unna im zib (02303) 10 37 77 oder beim Westfälischen Literaturbüro in Unna e.V. (02302) 96 38 50 auch telefonisch oder per Mail (zib-i-punkt@stadt-unna.de oder post@wlb.de) angefordert werden.
Alle Veranstaltungen sind nach wie vor auch über den Veranstaltungskalender auf der Festival-Website www.mordamhellweg.de zu finden. Dort können ebenfalls Tickets gebucht und auch lokale VVK-Stellen ermittelt werden. Impressum Mord am Hellweg VIII ist ein Projekt der Kulturregion Hellweg. mit oder in den Kreisen, Städten und Gemeinden Ahlen, Bad Sassendorf, Bergkamen, Bönen, Dortmund, Fröndenberg, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herdecke, Holzwickede, Iserlohn, Kamen, Lüdenscheid, Lünen, Schwerte, Soest, Oelde, Unna, Unna (Kreis), Wickede (Ruhr), Witten und in Kooperation mit der HanseTourist Unna, den Bürger-und Kulturzentren „Rohrmeisterei Schwerte", der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke, dem Tagungs-und Kongresszentrum Bad Sassendorf, MELANGE (Gesellschaft zur Förderung der Salon- und Kaffeehauskultur e.V.), dem Literaturmuseum Westfalen (Kulturgut Haus Nottbeck) und der Westfalen-Initiative Münster (für den Krimitag Westfalen in Oelde).
Festivalleitung Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V., Dr. Herbert Knorr, Nicolaistraße 3, 59423 Unna, Fon: (02303) 96 38 50, Fax: (02303) 96 38 51, E-Mail: post@wlb.de, Homepage: www.wlb.de Kreisstadt Unna, Kulturbetriebe (Bereich Kultur), Sigrun Krauß M.A., Lindenplatz 1, 59423 Unna, Fon: (02303) 10 37 20, Fax: (02303) 10 37 99, E-Mail: sigrun.krauss@stadt-unna.de, Homepage: www.unna.de Hauptförderer/Förderer/Partner/Medienpartner (Stand 04/16) Land Nordrhein-Westfalen, Sparkasse UnnaKamen, Busse & Bahnen NRW, Regionalverband Ruhr (RVR), Gemeinschaftsstadtwerke Kamen · Bönen · Bergkamen, Stiftung Westfalen-Initiative, Ringhotel Katharinen Hof, WDR 5, WELT am SONNTAG (NRW)
Dienstag, 19. Juli 2016
Schillerndes Leben im Abseits - Gerd Herholz & Gäste präsentieren: Kaputter Abend 2: Alles muss raus!
Lokal Harmonie, Harmoniestraße 41, 47119 Duisburg-Ruhrort
Sonntag, 12. Juni 2016, 18 Uhr
Eintritt frei
Nicht nur der Kopf, auch der Fußball ist rund, damit alles Spielen die Richtung wechseln kann - und zwar nach Duisburg-Ruhrort:
Gerd Herholz (Literaturbüro Ruhr) tritt an diesem Abend im Lokal Harmonie öffentlich privat auf und gestaltet mit drei Gästen seinen zweiten "Kaputten Abend" (der erste fand im Sommer 2014 im Maschinenhaus Essen statt).
Im Rahmen eines Scratch-Abends (Scratch= Gekratze, Gekritzel) werden kurze Ausschnitte künstlerischer Arbeit in lockerer Umgebung vorgestellt: Musik, Literatur, Blogtexte, Szenisches, Ausgefeiltes, Unfertiges, Tiefgründiges, Absurdes, Skizzenhaftes .
Die Gäste dieser literarisch-musikalischen Performance sind:
Maria Neumann, Schauspielerin, Theater an der Ruhr,
Lütfiye Güzel, Autorin,
Eckard Koltermann, Komponist, Bassklarinettist, Saxofonist.
Zur Grundstimmung des Abends orakelt Herholz präzise:
"Was gibt es Schöneres, als gegen Abend dem Blockflötenspiel eines Kindes in sehr weiter Ferne zu lauschen?"
Montag, 6. Juni 2016
Literaturpreis Ruhr 2016 - Ausschreibung endet am 17. Juni 2016 / Haupt- und Förderpreise mit 15.110 Euro dotiert / Förderpreistexte gesucht zum Thema "Musikgeschichten"
Der Literaturpreis Ruhr ist mit seiner jährlichen Preissumme von 15.110 Euro (10.000 Euro für den Hauptpreis, je 2.555 Euro für die beiden Förderpreise) die wichtigste Auszeichnung für Autorinnen, Autoren, Kritiker und Verleger, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Schriftsteller auch von außerhalb, die über diese Stadtlandschaft schreiben.
Seit 1986 vergeben der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro Ruhr e.V. jährlich diesen Preis für Literatur. Während mit dem Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr die Preisträger für ihr literarisches, literaturkritisches, literaturwissenschaftliches oder verlegerisches Werk ausgezeichnet werden, gehen die beiden Förderpreise an den literarischen Nachwuchs, der sich mit unveröffentlichten Texten selbst bewerben muss.
Mit der ansehnlichen Liste der Preisträger des Literaturpreises Ruhr - von Max von der Grün bis zu Michael Klaus, von Liselotte Rauner und Ralf Rothmann zu Brigitte Kronauer, von Ralf Thenior, Frank Goosen und Marion Poschmann zu Norbert Wehr, Fritz Eckenga oder Sascha Reh - steigt sein Ansehen von Jahr zu Jahr.
Musik liegt in der Luft, heißt es, und es schläft ein Lied in allen Dingen, wusste Eichendorff. Musik mag auch die literarische Phantasie beflügeln, deshalb werden zum Förderpreis in diesem Jahr "Musikgeschichten" erwartet.
Erwünscht sind Texte zum Thema Musik und Musiker, zu Wein, Weib (wahlweise: Kerl) und Gesang, zur Musik als Inspiration, Therapie oder dröhnender Körperverletzung aus getunten Macho-Karren. Musik spiegelt Zeitgeschichte, aber jeder Mensch hat auch seine eigene musikalische Biografie. Lieder, Songs, Chansons, Arien, Schlager oder Musical-Hits begleiten uns, oft ein Leben lang - und manchmal verändern sie es auch.
Nach 2010 und 2014 stiftet der Rotary Club Essen 2016 bereits zum dritten Mal einen Sonderpreis im Rahmen des Förderpreiswettbewerbes für den literarischen Nachwuchs. Die Preissumme beläuft sich auch hier auf 2.555 Euro.
Der Einsendeschluss für Vorschläge zum Hauptpreis und für Bewerbungen um die Förderpreise ist der 17. Juni 2016 (Datum des Poststempels). Zusendung der Ausschreibung in der Druckversion: Literaturbüro, Tel.: 02043-992644. Die vollständige Ausschreibung kann auch übers Internet unter der Adresse www.literaturbuero-ruhr.de abgerufen werden.
Der Einsendeschluss für Vorschläge zum Hauptpreis und für Bewerbungen um die Förderpreise ist der 17. Juni 2016 (Datum des Poststempels). Zusendung der Ausschreibung in der Druckversion: Literaturbüro, Tel.: 02043-992644. Die vollständige Ausschreibung kann auch übers Internet unter der Adresse www.literaturbuero-ruhr.de abgerufen werden.
Literaturpreis Ruhr 2015 (Hauptpreis) geht an Sascha Reh
Der in Duisburg geborene Romancier Sascha Reh erhält den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Ruhr für sein Gesamtwerk. Mit seinen bisher erschienenen drei Romanen ist Sascha Reh eine feste Größe unter den jüngeren deutschsprachigen Schriftstellern geworden. Die siebenköpfige Jury des Literatur-preises Ruhr war besonders von der thematischen Bandbreite der Romane Sascha Rehs tief beeindruckt.
Der Literaturpreis Ruhr wird 2015 zum 30. Mal verliehen. Zu den Preisträgern gehörten bisher u. a. Liselotte Rauner und Jürgen Lodemann, Ralf Rothmann und Brigitte Kronauer, Frank Goosen und Fritz Eckenga.
Mit dem Förderpreis des Literaturpreises Ruhr werden Britta Heidemann für ihre Erzählung "Schwimmen mit Seehund" und Robin Berg für seinen Text "Im anderen Bett" ausgezeichnet. Die Jury wählte die beiden Beiträge aus 230 Einsendungen zum Wettbewerbsthema "Doppelleben" aus. Der Förderpreis ist mit je 2.555 Euro dotiert.
Der Literaturpreis Ruhr wird jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut.
Die öffentliche Preisverleihung findet statt am 13. November 2015 um 19.30 Uhr im Gelsenkirchener Consol Theater.
Zu den Autoren:
Sascha Reh
Schon mit seinem Debütroman "Falscher Frühling" (2010) überzeugte Sascha Reh (geb. 1974) die Literaturkritik. Darin nahm Reh mit der Lebensgeschichte eines Regisseurs am Ende seiner Karriere die Seltsamkeiten und Fallstricke des deutschen Regietheater-betriebs in den Fokus - und entwickelte zugleich eine Beziehungs- und Familien-geschichte großen Formats.
Rehs zweiter Roman "Gibraltar" (2013) verknüpfte die Finanzkrise des Jahres 2008 mit Schicksalen der Migranten, die übers Mittelmeer nach Europa fliehen. Souverän und leidenschaftlich erzählend verbindet Reh mit seinem in diesem Jahr erschienenen Chile-Buch "Gegen die Zeit" einen psychologisch subtilen Bildungsroman mit der politisch-historischen Dimension des Putsches gegen Salvador Allende.
Der bereits mehrfach ausgezeichnete, heute in Berlin lebende und als Therapeut arbeitende Preisträger studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. Er hat bereits in den Jahren 2004 und 2008 mit zwei Erzählungen den Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr erhalten.
Britta Heidemann
Britta Heidemann (geb. 1971) stammt aus Mülheim/Ruhr und arbeitet als Kulturredakteurin. Sie ist Mutter von achtjährigen Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in Essen. In ihrer Erzählung "Schwimmen mit Seehund" jongliert sie poetisch-artistisch mit dem Thema "Doppelleben":
Marie lernt quasi aus Versehen den Meeresbiologen Simon kennen, der als Ehemann und Liebhaber zwei Leben an zwei Orten lebe, wie er ihr erzählt. Seiner Frau habe er gesagt, er arbeite seit Monaten in der Stadt am Fluss (die Mülheim verdächtig ähnlich sieht), während er in Wahrheit, wie er Marie gesteht, auf einer Nordseeinsel jobbe und dort eine Freundin habe. Marie als vermeintliche Leiterin einer Agentur für Doppelleben hilft Simon, sie sucht ihm eine Wohnung, richtet sie ein und erfindet ihm zunächst Fragmente eines Pseudo-Lebens, das sich jedoch zunehmend verselbständigt. Und das hochkomplexe Spiel um Liebe, Identität und Lebensentwürfe geht weiter.
Robin Berg
Robin Berg (geb. 1989) aus Bochum schreibt seit seinem elften Lebensjahr und studiert an der Ruhr-Universität Philosophie und Literaturwissenschaft.
In seiner Kurzgeschichte "Im anderen Bett" erzählt er von Claudio Augustino Wagenstein, der eines Morgens nach einer mit Freunden durchzechten Nacht fern von Zuhause in einem anderen Bett, neben einer anderen Frau, in einem ganz anderen Leben aufwacht. Verwirrt muss er feststellen, dass sich außer ihm niemand darüber wundert. Vergeblich versucht der verzweifelte Wagenstein, sich zu orientieren, doch das Vexierbild seines Lebens scheint endgültig verrutscht zu sein - eine ebenso gekonnte wie originelle Interpretation des Themas "Doppelleben".
Mittwoch, 4. November 2015
LesArt.Preis der jungen Literatur 2015
An die jungen Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Dortmund!
Der bedeutendste Preis für junge Literatur in Dortmund, der »LesArt.Preis der jungen Literatur«, wartet auf euch. Wenn ihr aus Dortmund seid, jünger als 35 und schreibt - was auch immer, die Hauptsache: gut - seid ihr eingeladen, eure Texte einzusenden.
Einsenden könnt ihr maximal 3 Texte Prosa - Erzählungen, keine Lyrik - mit jeweils maximal 10 Seiten Din A4 an:
oder
LesArt.Festival
c/o literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, 44139 Dortmund.
Der Einsendeschluss ist Freitag, der 23. Oktober 2015.
Eine fachkundige Jury wählt aus den Einsendungen den Preisträgertext des »LesArt.Preis der jungen Literatur 2015«. Dieser Preis ist mit EUR 800,– dotiert, wird von der Sparkasse Dortmund gestiftet und bei der LesArt.Matinee am 15. November 2015 überreicht.
Wir wünschen euch Glück.
Das LesArt.Team
Dienstag, 29. September 2015
Das Literaturbüro Ruhr e.V. präsentiert im Rahmen seiner Reihe „ruhrSpott“
Christine Sommer und Martin Brambach lesen Sigismund von Radecki und
Michael Klaus:
Hin- und hergerissen zwischen Gare du Nord, Gladbeck & Gelsenkirchen
Große Meister der kleinen Form – ein Abend mit Satiren & Feuilletons
In Kooperation mit der Stadtbücherei Gladbeck
Freitag, 11. September 2015, 20 Uhr
Stadtbücherei Gladbeck
Friedrich-Ebert-Str. 8, 45964 Gladbeck
Eintritt: 8/10 € (Vorverkauf/Abendkasse); Schüler/Studenten/Arbeitssuchende frei
Kartenreservierung und -abholung in der Stadtbücherei empfohlen
Karten unter 0 20 43.99 26 58 oder zahlen per eCash unter
Michael Klaus (1952 – 2008) wurde als Satiriker bekannt, doch im Satiriker steckte auch ein geborener Erzähler, einer, der abwarten konnte, geduldig und genau hinsah. So wurde er einer aus der Bruderschaft der Alltagserzähler, der Sarkasten und Lakoniker. Über Gelsenkirchen-Mitte schrieb er: „Dieser Stadtteil wird nachts beleuchtet von der Panik seiner Bewohner!“ Und damit hatte er auch gleich das Lebensgefühl vieler Ruhrgebietler kalt erwischt: das Gefühl, immer bloß in einem Vorort einer Vorstadt ein Vorleben vor dem wirklichen Leben zu führen. Vom Weggehen zu träumen und dann das Reisetagebuch doch am heimischen Küchentisch zu schreiben.
Er brachte verlorene Verlierer zur Sprache und zum Sprechen, verbrauchte Verbraucher, abseitige Mitläufer, kleine Anarchisten und Saboteure des Alltags: Nahaufnahmen von Weitsichtigen und Zukurzgekommenen. „Seine Texte sind Geschenke vom seltsamen Lieblingsonkel“, schrieb die Süddeutsche Zeitung.
Sigismund von Radecki, 1891 geboren in Riga, arbeitete als Student einer Bergakademie in der ‚Kohlenhölle‘ des Aachener Reviers, als Bewässerungsingenieur lebte er in Turkestan, als Elektroingenieur in Berlin. Er übersetzte Puschkin und Gogol ins Deutsche, war einige Jahre Karl Kraus in Wien nah, zeichnete, schauspielerte, lebte lange in einer Züricher Pension, wenn er nicht auf Vortragsreise war. 1970 starb er in Gladbeck, wo die Stadt auch sein Ehrengrab pflegt. 2014 verlegte der Wallstein Verlag seine Feuilletons neu unter dem Titel ‚Die Stimme der Straße‘. Der Herausgeber beschließt sein Nachwort ‚Expeditionen in ein unbekanntes Leben‘ mit dem Satz, hier sei „ein Schriftsteller von europäischem Rang wiederzuentdecken“. Radecki, der nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Humorist galt, erzielte mit dem ‚ABC des Lachens‘ (Rowohlt Verlag, 1953) einen dauerhaften Verkaufserfolg, die Auflage ging in die Hunderttausende.
Martin Brambach war u. a. am Schauspielhaus Bochum, dem Wiener Burgtheater und der Schaubühne Berlin festes Ensemblemitglied. Seit August 2001 ist er freiberuflich tätig und spielt nun hauptsächlich Film- und Fernsehrollen, etwa in ‚Das Leben der Anderen‘, ‚Der Vorleser‘ oder ‚Oh Boy‘. Für das Dresdner Tatort-Team ermittelt er in Zukunft als Kommissar.
Christine Sommer erwarb ihr Schauspiel-Diplom am Max Reinhardt Seminar in Wien.
Sie spielte in Kinofilmen wie ‚Blaubeermeise‘ und ‚Harms‘, in vielen TV-Serien und -Filmen wie ‚Die Chefin‘ oder ‚Der letzte Bulle‘. Bei den Ruhrfestspielen sah man sie und Martin Brambach zuletzt mit ihrem Charles Bukowski-Programm ‚Roter Mercedes‘.
Das Projekt "ruhrspott" wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stiftung der Sparkasse Gladbeck zur Förderung von Kunst und Kultur, die Stadt Gladbeck sowie die Kooperationspartner in den beteiligten Städten.
Mit freundlichen Grüßen
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter
Literaturbüro Ruhr e.V.
Tel.: (0049) 02043 992 168
Die Arbeit des Literaturbüros Ruhr e.V. wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW), vom Regionalverband Ruhr (RVR), der Stadt Gladbeck und den Mitgliedern des Literaturbüros Ruhr sowie zahlreichen Sponsoren und Partnern.
Mittwoch, 2. September 2015
Herbstprojekt des Literaturbüros Ruhr e. V.
"ruhrSpott" heißt das diesjährige Herbstprojekt des Literaturbüros Ruhr e. V., seiner Kooperationspartner und Förderer.
Bei Lesungen, Rezitation, Musik und Gespräch werden vom 9. September bis zum 14. November 2015
23 Literatinnen und Literaten, Journalisten, Schauspieler und Musiker in Gladbeck, Duisburg, Essen, Mülheim und Dortmund zu Gast sein.
Die Gäste kommen aus den USA, aus Frankreich, der Ukraine und Deutschland.
(www.ruhrspott.com)
Das BVB-trunkene Dortmund hat den Niedergang als Bierstadt gemeistert, das offizielle Ruhrgebiet seinen Bierernst aber nie überwunden. In dieser herrlich halbstarken Region fehlt er allzu oft: der souveräne Umgang mit den eigenen Macken, Schwächen und Eitelkeiten. Pars pro toto gilt eher, was Michael Klaus über ,sein' Gelsenkirchen-Mitte schrieb: "Dieser Stadtteil wird nachts beleuchtet von der Panik seiner Bewohner!"
Grassierende Großmannssucht hierzulande hat Selbstironie und Spott bitter nötig, jedes Lachen über und Auslachen von Creative-Economy-Dummdeutsch, Politik-Posern, Metropolenwahn und Marketingmurks. Man denke nur an jenen Ruhrgebietsslogan, den 2008 eine Düsseldorfer Werbeagentur namens Grey(!) entworfen hatte: ,Ruhr(hoch)n Team-Work-Capital' sollte der heißen. Und dass da im Teamwork eine Menge Ruhr-Kapital abfloss, darf vermutet werden - die Claim-Entwicklung soll viele Hunderttausend Euro gekostet haben.
Man kann aber auch gekonnt kurz und gut texten, das beweist bei "ruhrSpott" Fritz Eckenga und liest "Mit mir im Reimen. Alle Gedichte und neue"; hier liefert das Essener Spardosen-Terzett den Soundtrack. Mehr ruhrspezifisch Satirisches von Michael Klaus werden Christine Sommer und Martin Brambach vorstellen, dazu freche Feuilletons des zu Unrecht fast vergessenen Sigismund von Radecki, der in Gladbeck unvermutet sein Ehrengrab fand.
Um aber nicht allein im Ruhr-Saft komisch zu schmoren, haben wir auch Literaten zu Gast, die in ihrer eigenen metropolen bis metropopeligen Heimat deren Alltagsleben, Größenwahn und Sonntagsreden aufs Korn nehmen.
Frank Schulz aus Hamburg ist mit seinen skurrilen Plots um Onno Viets zu hören. Andrej Kurkow (,Jimi Hendrix live in Lemberg') kommt aus Kiew und Georg Stefan Troller reist aus Paris an und beweist, dass man über eigene Blamagen sehr gut lachen kann. Kolumnist Harald Martenstein liest aus der Satire-Utopie ,Schwarzes Gold aus Warnemünde' und der Frankfurter Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino erzählt von ,Tarzan am Main'. Die große Erzählerin Katja Lange-Müller spottet über Berliner Abgründe, und die famose Sophie Rois liest New Yorker Geschichten der geistreich-sarkastischen Dorothy Parker. Bei einer neuen Ausgabe der "Hate poetry" ziehen Journalistinnen all jene ihrer Leser durch den Kakao, die eine humane interkulturelle Gesellschaft durch Hass&Häme-Leserbriefe zu verhindern glauben. Als Gegengift wider solche Einfaltspinselei haben wir umgehend den Ex-Juristen Alain Mabanckou eingeladen, aus seinem Roman "Black Bazar" vorzulesen. Aus dem Kongo stammend hat er lange in Paris gelebt, arbeitet und lehrt heute in Santa Monica/Kalifornien.
Über eine Erwähnung der ersten drei Abende in Essen (Troller), Gladbeck (Martin Brambach & Christine Sommer) und Mülheim (Sophie Rois liest Dorothy Parker) würden wir uns besonders freuen (siehe word.docx-Anlagen).
Weitere Infos zu einzelnen Abenden auch im Internet unter www.ruhrspott.com oder www.literaturbuero-ruhr.de.
Weitere Presseanfragen (Autoreninfos/Fotos, Interviewwünsche) richten Sie bitte an Verena Geiger unter 02043 992644, Literaturbüro Ruhr.
Das Projekt "ruhrspott" wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stiftung der Sparkasse Gladbeck zur Förderung von Kunst und Kultur, die Stadt Gladbeck sowie die Kooperationspartner in den beteiligten Städten.
Mit freundlichen Grüßen
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter
Literaturbüro Ruhr e.V.
Tel.: 02043 992168
www.literaturbuero-ruhr.de
http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
Die Arbeit des Literaturbüros Ruhr e.V. wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW), vom Regionalverband Ruhr (RVR), der Stadt Gladbeck und den Mitgliedern des Literaturbüros Ruhr sowie zahlreichen Sponsoren und Partnern.
Bei Lesungen, Rezitation, Musik und Gespräch werden vom 9. September bis zum 14. November 2015
23 Literatinnen und Literaten, Journalisten, Schauspieler und Musiker in Gladbeck, Duisburg, Essen, Mülheim und Dortmund zu Gast sein.
Die Gäste kommen aus den USA, aus Frankreich, der Ukraine und Deutschland.
(www.ruhrspott.com)
Das BVB-trunkene Dortmund hat den Niedergang als Bierstadt gemeistert, das offizielle Ruhrgebiet seinen Bierernst aber nie überwunden. In dieser herrlich halbstarken Region fehlt er allzu oft: der souveräne Umgang mit den eigenen Macken, Schwächen und Eitelkeiten. Pars pro toto gilt eher, was Michael Klaus über ,sein' Gelsenkirchen-Mitte schrieb: "Dieser Stadtteil wird nachts beleuchtet von der Panik seiner Bewohner!"
Grassierende Großmannssucht hierzulande hat Selbstironie und Spott bitter nötig, jedes Lachen über und Auslachen von Creative-Economy-Dummdeutsch, Politik-Posern, Metropolenwahn und Marketingmurks. Man denke nur an jenen Ruhrgebietsslogan, den 2008 eine Düsseldorfer Werbeagentur namens Grey(!) entworfen hatte: ,Ruhr(hoch)n Team-Work-Capital' sollte der heißen. Und dass da im Teamwork eine Menge Ruhr-Kapital abfloss, darf vermutet werden - die Claim-Entwicklung soll viele Hunderttausend Euro gekostet haben.
Man kann aber auch gekonnt kurz und gut texten, das beweist bei "ruhrSpott" Fritz Eckenga und liest "Mit mir im Reimen. Alle Gedichte und neue"; hier liefert das Essener Spardosen-Terzett den Soundtrack. Mehr ruhrspezifisch Satirisches von Michael Klaus werden Christine Sommer und Martin Brambach vorstellen, dazu freche Feuilletons des zu Unrecht fast vergessenen Sigismund von Radecki, der in Gladbeck unvermutet sein Ehrengrab fand.
Um aber nicht allein im Ruhr-Saft komisch zu schmoren, haben wir auch Literaten zu Gast, die in ihrer eigenen metropolen bis metropopeligen Heimat deren Alltagsleben, Größenwahn und Sonntagsreden aufs Korn nehmen.
Frank Schulz aus Hamburg ist mit seinen skurrilen Plots um Onno Viets zu hören. Andrej Kurkow (,Jimi Hendrix live in Lemberg') kommt aus Kiew und Georg Stefan Troller reist aus Paris an und beweist, dass man über eigene Blamagen sehr gut lachen kann. Kolumnist Harald Martenstein liest aus der Satire-Utopie ,Schwarzes Gold aus Warnemünde' und der Frankfurter Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino erzählt von ,Tarzan am Main'. Die große Erzählerin Katja Lange-Müller spottet über Berliner Abgründe, und die famose Sophie Rois liest New Yorker Geschichten der geistreich-sarkastischen Dorothy Parker. Bei einer neuen Ausgabe der "Hate poetry" ziehen Journalistinnen all jene ihrer Leser durch den Kakao, die eine humane interkulturelle Gesellschaft durch Hass&Häme-Leserbriefe zu verhindern glauben. Als Gegengift wider solche Einfaltspinselei haben wir umgehend den Ex-Juristen Alain Mabanckou eingeladen, aus seinem Roman "Black Bazar" vorzulesen. Aus dem Kongo stammend hat er lange in Paris gelebt, arbeitet und lehrt heute in Santa Monica/Kalifornien.
Über eine Erwähnung der ersten drei Abende in Essen (Troller), Gladbeck (Martin Brambach & Christine Sommer) und Mülheim (Sophie Rois liest Dorothy Parker) würden wir uns besonders freuen (siehe word.docx-Anlagen).
Weitere Infos zu einzelnen Abenden auch im Internet unter www.ruhrspott.com oder www.literaturbuero-ruhr.de.
Weitere Presseanfragen (Autoreninfos/Fotos, Interviewwünsche) richten Sie bitte an Verena Geiger unter 02043 992644, Literaturbüro Ruhr.
Das Projekt "ruhrspott" wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stiftung der Sparkasse Gladbeck zur Förderung von Kunst und Kultur, die Stadt Gladbeck sowie die Kooperationspartner in den beteiligten Städten.
Mit freundlichen Grüßen
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter
Literaturbüro Ruhr e.V.
Tel.: 02043 992168
www.literaturbuero-ruhr.de
http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
Die Arbeit des Literaturbüros Ruhr e.V. wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW), vom Regionalverband Ruhr (RVR), der Stadt Gladbeck und den Mitgliedern des Literaturbüros Ruhr sowie zahlreichen Sponsoren und Partnern.
Dienstag, 1. September 2015
Ausschreibung Europäischer Preis für Kriminalliteratur 2016/17
Zum fünften Mal lobt das Festival 2016/17 den Europäischen Preis für Kriminalliteratur aus. Bis zum 15. August 2015 können Verlage, literarische Einrichtungen, LektorInnen, Agenturen, KrimiautorInnen, -journalistInnnen, Literaturvermittler und -förderer Vorschläge einreichen.
Dieser Preis, der mit 11.111 Euro dotiert ist, soll die zunehmende literarische Bedeutung des Krimi-Genres in Europa stärken. Die Autorinnen und Autoren Henning Mankell, Håkan Nesser, Fred Vargas und Jussi Adler-Olsen sind bisherige Preisträger. Verlage, literarische Einrichtungen, LektorInnen, Agenturen, KrimiautorInnen, Krimijournalisten, Literaturvermittler und -förderer Europas sind berechtigt, Kandidatinnen und Kandidaten für den Preis bis zum Stichtag 15. August 2015 vorzuschlagen. Eigenbewerbungen sind nicht zulässig.
Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge an post@wlb.de oder sigrun.krauss@stadt-unna.de oder per Post an das Westfälische Literaturbüro in Unna e.V., Nicolaistraße 3, 59423 Unna bzw. an die Kreisstadt Unna, Kulturbereich, Sigrun Krauß, Lindenplatz 1, 59423 Unna.
Biobibliographische Daten der Autorin/des Autors und ggf. eine Pressemappe sind zunächst für die Einreichung eines Vorschlags ausreichend.
Dieser Preis, der mit 11.111 Euro dotiert ist, soll die zunehmende literarische Bedeutung des Krimi-Genres in Europa stärken. Die Autorinnen und Autoren Henning Mankell, Håkan Nesser, Fred Vargas und Jussi Adler-Olsen sind bisherige Preisträger. Verlage, literarische Einrichtungen, LektorInnen, Agenturen, KrimiautorInnen, Krimijournalisten, Literaturvermittler und -förderer Europas sind berechtigt, Kandidatinnen und Kandidaten für den Preis bis zum Stichtag 15. August 2015 vorzuschlagen. Eigenbewerbungen sind nicht zulässig.
Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge an post@wlb.de oder sigrun.krauss@stadt-unna.de oder per Post an das Westfälische Literaturbüro in Unna e.V., Nicolaistraße 3, 59423 Unna bzw. an die Kreisstadt Unna, Kulturbereich, Sigrun Krauß, Lindenplatz 1, 59423 Unna.
Biobibliographische Daten der Autorin/des Autors und ggf. eine Pressemappe sind zunächst für die Einreichung eines Vorschlags ausreichend.
Dienstag, 2. Juni 2015
Vorschlags- und Einsendefrist zum „Literaturpreis Ruhr 2015“ endet am 19.6.2014
Vorschlags- und Einsendefrist zum „Literaturpreis Ruhr 2015“ endet am 19.6.2014 / Haupt- und Förderpreise mit 15.110 € dotiert / Förderpreistexte gesucht zum Thema „Doppelleben“
Der Literaturpreis Ruhr ist mit seiner jährlichen Preissumme von 15.110 Euro (10.000 € für den Hauptpreis, je 2.555 Euro für die beiden Förderpreise) die wichtigste Auszeichnung für Autorinnen, Autoren, Kritiker, Literaturwissenschaftler und Verleger, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Schriftsteller auch von außerhalb, die über diese Stadtlandschaft schreiben.
Bereits seit 1986 vergeben der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro Ruhr e.V. jährlich diesen Preis für Literatur. Während mit dem Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr die Preisträger für ihr literarisches, literaturkritisches, literaturwissenschaftliches oder verlegerisches Werk ausgezeichnet werden, gehen die beiden Förderpreise an den literarischen Nachwuchs, der sich mit unveröffentlichten Texten selbst bewerben muss.
Mit der ansehnlichen Liste der Preisträger des Literaturpreises Ruhr – von Max von der Grün bis zu Michael Klaus, von Liselotte Rauner und Ralf Rothmann zu Brigitte Kronauer, von Frank Goosen und Marion Poschmann zu Norbert Wehr, Fritz Eckenga, Harald Hartung, Karl-Heinz Gajewsky und Marianne Brentzel – steigt sein Ansehen von Jahr zu Jahr.
Die Förderpreise 2015 werden ausgeschrieben zum Thema „Doppelleben“ – ein Wort, in dem ganze Romane mitschwingen. Gefragt sind aber Texte von maximal zehn Normseiten Länge, deren Plots und Figuren auf höchst unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein können: von der Agentenexistenz in Politik und Industrie bis hin zu bürgerlicher Heimlichkeit oder den kläglichen Versuchen von Süchtigen aller Art, ein „normales“ Leben vorzuspielen. Über „Doppelleben“ zu schreiben, das kann aber auch bedeuten, Schatten- und Spiegelbilder des Lebens hervortreten zu lassen – oder eine Fülle, die es wie doppelt wirken lässt.
Die komplette Ausschreibung sowie die Wettbewerbsbedingungen sind nachzulesen unter www.literaturbuero-ruhr.de.
Freitag, 29. Mai 2015
Eine Einführung in das Schreiben von Kürzestgeschichten
Das Literaturbüro Ruhr e.V. lädt ein zum Wochenendseminar mit der Kölner Schriftstellerin Liane Dirks:
19. - 21.06.2015
KURZ UND GUT. UND BESSER.
Eine Einführung in das Schreiben von Kürzestgeschichten Katholische Akademie Die Wolfsburg, Mülheim an der Ruhr Gebühr: 185 Euro inkl. 2 Übernachtungen im EZ und Vollverpflegung / verbindliche Überweisung der Teilnehmergebühr bis zum 02.06.2015 Teilnehmerzahl: 12 Bedingung: Bewerbung mit max. drei Kürzestgeschichten (max. drei Normseiten) an verena.geiger@stadt-gladbeck.de Anmeldeschluss: 28.05.2015
Sie sind dicht, sie sind pointiert, sie sind fragmentiert und reduziert, wie ein gut eingekochter Soßenfond bilden sie die Essenz der Prosa: die Kürzestgeschichten, noch kürzer als die Kurzgeschichten. Die Tragödie als Miniatur, die Komödie als Epigramm, der Roman als Prosaskizze - die noch junge Gattung der Kürzestgeschichten stellt die Minimalform des Erzählens dar. Für Schriftsteller Anreiz und Ansporn, in Zeiten der verbalen Reizüberflutung den Wörtern wieder Wucht und Ausdrucksstärke zukommen zu lassen, Klarheit mit Vieldeutigkeit zu paaren und Präzision mit Überraschungsmomenten. Aber wie geht das? Wie schafft man es, ein Leben auf drei Seiten zu bringen und zwar so, dass man es nie wieder vergisst? Wie lassen sich menschliche Konflikte mit derart reduzierter Wortwahl gestalten? Und wie entstehen literarische Momentaufnahmen, die einen ganzen Erzählkosmos beinhalten und sich als Bild im Leser für immer einprägen? Und warum erlebt gerade diese Gattung zur Zeit derart großen Zuspruch? In diesem Kurs werden wir die Form der Kürzestgeschichte sowohl theoretisch als auch ganz praktisch auskundschaften, indem wir uns ihr schreibend nähern. Wir werden uns mit den Mitteln dieser Gattung befassen: Verknappung, Aussparung, Zuspitzung und Pointierung sind einige davon. Der spezielle Zugriff bei der Themenfindung, der unmittelbare Einstieg, die Erzählperspektive und das Herstellen von Kippbewegungen im Text werden Thema sein. Wer mag, kann eine fertige Kurzgeschichte mitbringen.
LIANE DIRKS ist freischaffende Autorin und Herausgeberin. Für ihr Werk wurde sie u.a. mit dem renommierten Preis der LiteraTour Nord ausgezeichnet. Sie leitet das Literatur-Atelier Köln, aus dem bedeutende Gegenwartsautoren hervorgegangen sind. Lehraufträge in den USA, an der Uni Hildesheim und an der Uni Düsseldorf.
www.liane-dirks.de
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45964 Gladbeck
Tel.: (0049) 02043 992 168
www.literaturbuero-ruhr.de
http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
Eine Einführung in das Schreiben von Kürzestgeschichten Katholische Akademie Die Wolfsburg, Mülheim an der Ruhr Gebühr: 185 Euro inkl. 2 Übernachtungen im EZ und Vollverpflegung / verbindliche Überweisung der Teilnehmergebühr bis zum 02.06.2015 Teilnehmerzahl: 12 Bedingung: Bewerbung mit max. drei Kürzestgeschichten (max. drei Normseiten) an verena.geiger@stadt-gladbeck.de Anmeldeschluss: 28.05.2015
Sie sind dicht, sie sind pointiert, sie sind fragmentiert und reduziert, wie ein gut eingekochter Soßenfond bilden sie die Essenz der Prosa: die Kürzestgeschichten, noch kürzer als die Kurzgeschichten. Die Tragödie als Miniatur, die Komödie als Epigramm, der Roman als Prosaskizze - die noch junge Gattung der Kürzestgeschichten stellt die Minimalform des Erzählens dar. Für Schriftsteller Anreiz und Ansporn, in Zeiten der verbalen Reizüberflutung den Wörtern wieder Wucht und Ausdrucksstärke zukommen zu lassen, Klarheit mit Vieldeutigkeit zu paaren und Präzision mit Überraschungsmomenten. Aber wie geht das? Wie schafft man es, ein Leben auf drei Seiten zu bringen und zwar so, dass man es nie wieder vergisst? Wie lassen sich menschliche Konflikte mit derart reduzierter Wortwahl gestalten? Und wie entstehen literarische Momentaufnahmen, die einen ganzen Erzählkosmos beinhalten und sich als Bild im Leser für immer einprägen? Und warum erlebt gerade diese Gattung zur Zeit derart großen Zuspruch? In diesem Kurs werden wir die Form der Kürzestgeschichte sowohl theoretisch als auch ganz praktisch auskundschaften, indem wir uns ihr schreibend nähern. Wir werden uns mit den Mitteln dieser Gattung befassen: Verknappung, Aussparung, Zuspitzung und Pointierung sind einige davon. Der spezielle Zugriff bei der Themenfindung, der unmittelbare Einstieg, die Erzählperspektive und das Herstellen von Kippbewegungen im Text werden Thema sein. Wer mag, kann eine fertige Kurzgeschichte mitbringen.
LIANE DIRKS ist freischaffende Autorin und Herausgeberin. Für ihr Werk wurde sie u.a. mit dem renommierten Preis der LiteraTour Nord ausgezeichnet. Sie leitet das Literatur-Atelier Köln, aus dem bedeutende Gegenwartsautoren hervorgegangen sind. Lehraufträge in den USA, an der Uni Hildesheim und an der Uni Düsseldorf.
www.liane-dirks.de
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45964 Gladbeck
Tel.: (0049) 02043 992 168
www.literaturbuero-ruhr.de
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Donnerstag, 14. Mai 2015
Wochenendseminar mit Krimi-Autor Reinhard Jahn (H.P. Karr)
Das Literaturbüro Ruhr e.V. lädt ein zum Wochenendseminar mit Krimi-Autor Reinhard Jahn (H.P. Karr):
22. - 24.05.2015, Kulturgut Haus Nottbeck, Oelde:
MACH ES KURZ!
Wie man verdammt gute Kurzkrimis schreibt
Kurze Kriminalgeschichten und Kurzkrimis gehören zum Standard des Krimigenres. Einen ganzen Mordfall so knapp wie möglich zu erzählen, eine fragile Psycho-Studie auf wenigen Seiten zu gestalten, knackig, komisch oder tragisch - alle Varianten sind möglich. Rund 500 Kurzkrimis, die jährlich in Anthologien erscheinen, beweisen, dass die Kriminalstory das Boomgenre der Branche ist. Dazu sind Stories das perfekte Programm für Lesungen, weil sie konzentriert und auf den Punkt gebracht eine komplette Geschichte präsentieren.
Das Seminar gibt einen Überblick über die verschiedenen Spielarten der Kriminalstory und vermittelt Erzähltechniken, um auf engstem Raum Spannung, Interesse oder Mitgefühl zu erzeugen. Wenn möglich wird an Beispielen gezeigt, wie es immer noch kürzer geht, wie man Charaktere, Motive und Handlungsbögen wirklich auf das Wesentliche konzentriert - und damit zum Kern einer Geschichte vorstößt.
Wer mag, kann eine fertige Kurzgeschichte - nicht länger als 10.000 Zeichen - mitbringen.
Für Schreibinteressierte, Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen.
REINHARD JAHN lebt seit 1960 als freier Autor und Journalist im Ruhrgebiet. Er schrieb unter seinem Autorennamen H.P. Karr allein und gemeinsam mit Kollegen knapp ein Dutzend Krimis und Thriller und mehrere hundert Kriminalstories und gab zahlreiche Kurzkrimi-Anthologien heraus, darunter "Hängen im Schacht" und "Schicht im Schacht". www.hpkarr.de
Die Teilnehmergebühr beträgt 185 Euro und beinhaltet Vollverpflegung sowie zwei Übernachtungen im Einzelzimmer auf Kulturgut Haus Nottbeck/Oelde,
Anmeldungen bitte an das Literaturbüro Ruhr, telefonisch unter 02043/ 99 26 44 oder per Mail an
Anmeldeschluss ist der 30.04.2015.
Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter
Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45964 Gladbeck
Tel.: (0049) 02043 992 168
Montag, 30. März 2015
Aus dem Archiv - H. Peter Rose: "Hydra" - Vorstellung des Romans von Chris Marten, 1. Oktober 2009 in der Buchhandlung Junius
I.
Seit Herbert Knorr 1976 den Förderpreis für Gelsenkirchener Künstler in der Sparte Literatur erhalten hat, lässt er mich an seinem kulturpolitischen Engagement für die Literatur- und Leseförderung ebenso teilhaben wie an seiner Arbeit als Autor oder Herausgeber. Und wenn dann ein neues Buch von ihm gedruckt ist, bittet er mich, es mit ihm in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen „bei Junius“ vorzustellen.
Seit Herbert Knorr 1976 den Förderpreis für Gelsenkirchener Künstler in der Sparte Literatur erhalten hat, lässt er mich an seinem kulturpolitischen Engagement für die Literatur- und Leseförderung ebenso teilhaben wie an seiner Arbeit als Autor oder Herausgeber. Und wenn dann ein neues Buch von ihm gedruckt ist, bittet er mich, es mit ihm in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen „bei Junius“ vorzustellen.
„Diesmal ist es ein Kriminalroman!“ Mit diesem Satz brachte er mich mit seinem Anruf im Sommer sofort auf die richtige Spur. Da ich aber kein Krimileser bin, fühlte ich mich überhaupt nicht kompetent. Und als er dann auch noch von 733 Seiten Umfang sprach, sah ich mich durch dieses „Ziegelsteinformat“ überfordert. Außerdem wollte ich mit meiner Frau Urlaub vom Ruhrgebiet und von Gelsenkirchen machen.
Ich hatte also wenig Lust, wurde aber neugierig, als mir Herbert Knorr etwas über die Entstehung des Romans und über Raum und Zeit der Handlung erzählte. Daraufhin riskierte ich einen Blick ins Manuskript. Doch schon beim Lesen der ersten Seiten konzentrierte sich mein Interesse ganz auf den „Fall“. Die Leselust hatte mich gepackt. Und so habe ich mir die Geschichte trotz Urlaub und Sommersonnenhitze im Salzburger Land in nur vier Tagen „reingezogen“.
II.
Kriminalromane erscheinen oft unter einem Pseudonym und haben häufig auch kryptische Titel, die zwar reißerisch und rätselhaft viel versprechen müssen, aber nichts verraten dürfen. Tatsächlich spielt „Hydra“, die riesige Wasserschlange aus der griechischen Mythologie, mit ihren neun – oder waren es elf? – Köpfen, von denen einer sogar unsterblich war, im Roman eine Rolle. Doch wer ist dann dieser unsterbliche Kopf? Vielleicht der Täter?
Und wer ist der Verfasser? Chris Marten? Nie gehört. Wer oder was verbirgt sich hinter dem Vornamen Chris? Christian – ein Mann? Oder Christiane – eine Frau? Oder ist er ein hybrides, zweigeschlechtliches Wesen? Ein Zwitter oder Hermaphrodit? In einem Krimi ist fast alles möglich…
Warum sollte Herbert Knorr den Krimi eigentlich nicht selbst geschrieben haben? Denn in Sachen Krimi-Literatur ist er mittlerweile ein anerkannter Fachmann. Er leitet nicht nur das Literaturbüro in Unna (seit 1994) sondern er hat dort auch die Biennale „Mord am Hellweg – Tatort Ruhr“ begründet. Dieses inzwischen größte Krimifestival in Europa wird 2010 zum 5. Male stattfinden. Seine bisher letzte literatur- und kulturpolitische Tat vollbrachte Herbert Knorr mit dem neu geschaffenen Europäischen Preis für Kriminalliteratur, dem „Ripper Award“, der, mit 11.111 € dotiert, in diesem Jahr zum ersten Mal an den schwedischen Kriminalautor Henning Mankell vergeben worden ist.
Ja, Herbert Knorr schrieb den Krimi, aber er hatte mit Birgit Biehl eine Ko-Autorin an seiner Seite. Diese Arbeitsbeziehung hat hängt mit Berührungspunkten in ihren Biografien zusammen, die für den Krimi bedeutsam sind.
Herbert Knorr (Jahrgang 1952) holte als gelernter Bankkaufmann von 1974 bis 1976 über den 2. Bildungsweg am Oberhausen-Kolleg sein Abitur nach und studierte anschließend Germanistik und Geschichte für das Lehramt an der Universität Duisburg. Er verschaffte sich damit das wissenschaftliche Rüstzeug für einen Beruf auf dem Feld von Literatur und Kultur und promovierte 1988 mit einer Dissertation über „Experiment und Spiel im Erzählwerk Arthur Schnitzlers“. Bevor Herbert Knorr 1994 das Literaturbüro in Unna als Leiter übernehmen konnte, musste er sich schreibend und redend als freier Publizist durchschlagen und u.a. auch einige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen absolvieren.
Birgit Biehl (Jahrgang 1944) wurde als Kriegskind in Stralsund geboren, strandete nach der Flucht in Hamburg und wuchs dort auf. Sie studierte Germanistik und Romanistik in Hamburg und Paris und schloss ihre Studien mit Staatsexamen und Promotion ab. Sie lebt in Krefeld und arbeitete bis 2007 als Studiendirektorin am Oberhausen-Kolleg. In einem Wanderjahr hat sie sich Afrika, Arabien und den Mittleren Osten erschlossen. Ihr besonderes Interesse gilt Afrika. In Mali, einem „vergessenen“ westafrikanischen Land, unterstützt sie mit Freunden vor Ort durch gemeinschaftliche nachhaltige Arbeit Krankenstationen und Schulen, um in Anerkennung der kulturellen Unterschiede Bildung und Ausbildung zu fördern.
Beide, sie als seine Deutschlehrerin und er als ihr Schüler, hatten sich am Oberhausen-Kolleg kennen gelernt, sich dann aber Mitte der 1980er Jahre aus den Augen verloren. Das neue Jahrtausend führte sie zufällig wieder zusammen, nachdem Birgit Biehl über ihr Wanderjahr einen Reisebericht, „Spuren im Sand“, veröffentlicht hatte. Dabei entdeckten sie auch ihr beiderseitiges Interesse für die Kriminalliteratur. Und so reifte 2004 die Idee, ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse literarisch gemeinsam zu verarbeiten und einen Krimi zu schreiben. 2005 haben sie mit der Arbeit am Projekt „Hydra“ begonnen. Heute – vier Jahre später – liegt das vollendete Werk druckfrisch „bei Junius“ auf der Ladentheke.
III.
In aller Kürze nun ein paar Hinweise zum Inhalt, die ich dem Klappentext des Buches entnommen habe:
Die Journalistin Beate Rehbein leidet nach ihrer Rückkehr aus dem Irak (2004) unter Albträumen. Sie findet nur allmählich in den Alltag zurück. Dann erhält sie eine scheinbar harmlose E-Mail, der immer seltsamere und bedrohlichere Nachrichten folgen. Als sie einen Anhang öffnet, wird sie Zeugin einer grausamen Hinrichtung. Sie will ihre Familie schützen und lässt sich auf das Spiel mit den gespenstischen Botschaften eines Serienmörders ein. Sie soll Sprachrohr sein und in einem großen Nachrichtenmagazin über die Verlierer der globalisierten Welt schreiben. Würde das nicht geschehen, müssten weitere Menschen sterben. Zwei sind bereits tot. Soviel steht fest: Der Mörder wählt seine Opfer aus der Namensliste eines Abiturjahrgangs. Doch wer wird der nächste sein?
Dies ist der fiktive Teil der Geschichte. Um diesen Kern ist die Spannung aufgebaut. Raum und Zeit der Handlung sind jedoch real. Das Ruhrgebiet ist der Raum des Geschehens. Hier sind die Akteure zu Hause. Der Leser stößt auf vertraute Orte, aber ebenso erfährt er Neues über das Revier. Auch die Zeit ist real. Der zeitliche Ablauf ist wie ein Protokoll abgefasst: Wochentag, Datum, Uhr- oder Tageszeit, Ort. Er beginnt „Sonntag, 28. November 2004, 1. Advent, vormittags, Essen, Baldeneysee, Pastors Villa“ und endet „Sonntag, 10. Juli 2006, 21 Uhr 27, Essen, Auf dem Dach der Villa Hügel“. In diesem Rahmen von knapp 20 Monaten vollzieht sich die Handlung. Es ist die Zeit, in der Globalisierung, „Agenda 2010“ und „Hartz IV“ die Gesellschaft bewegen, weil die Kluft zwischen arm und reich sich deutlich vergrößert hatte. „Hydra“ ist im Milieu des neuen Mittelstandes angesiedelt. Es sind die in den 1950er Jahren Geborenen, die in der Zeit des Wirtschaftswunders aufgewachsen sind und nun als 50- bis 55jährige im Roman die Hauptrollen spielen.
Diese Realitätsnähe schafft eine starke Unmittelbarkeit des Dabeiseins und Miterlebens. Sie wird erzeugt durch eine perfekte akribische Recherche aller realen und wissenschaftlichen Sachverhalte, welcher Art sie auch sein mögen.
Der Täter, ein intelligenter, gebildeter Mensch, fühlt sich offenbar als Verlierer in unserer Gesellschaft. Er teilt seine Gedanken und Forderungen per E-Mail mit. Mit klassischen Zitaten, Anagrammen oder mystischen Buchstaben- und Zahlenspielen gibt er rätselhafte Hinweise in einem tödlichen Verwirrspiel. Er plant seine Morde eiskalt wie ein wissenschaftliches Experiment und inszeniert sie nach seiner eigenen makabren Ästhetik. Dazu dient ihm u.a. Friedrich Schiller als Rechtfertigung: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“.
Sollte der Täter in „Hydra“ vielleicht auch ein „Verbrecher aus verlorener Ehre“ sein, wie ihn eben dieser Schiller schon 1786 in seinem Kriminalbericht zum Täter schrieb: „An seinen Gedanken liegt uns unendlich mehr als an seinen Taten, und noch weit mehr an den Quellen der Gedanken als an den Folgen.“
Mag der „Fall Hydra“ am Ende gelöst sein, so bleiben auch hier Fragen nach den Ursachen für das Mordmotiv offen. Schiller sei Dank fürs Vordenken, aber ebenso ist den Krimi-Autoren zu danken – sowohl für die spannende Geschichte als auch für die anregenden Erkenntnisse und Anstöße zum Nachdenken und Nachlesen.
Sonntag, 22. März 2015
Aus dem Archiv - H. Peter Rose: Ein Himmel auf Erden? Anmerkungen zur Vorstellung des Buches "Der Himmel ist unter uns" von Wolfgang Thiele und Herbert Knorr am 9. Oktober 2003 in der Gelsenkirchener Buchhandlung Lothar Junius
Vor einem Jahr rief mich Herbert Knorr an und berichtete mir von der sensationellen Entdeckung eines Hobbyarchäologen. Dieser, Wolfgang Thiele aus Nachrodt, wollte nämlich im Sauerland herausgefunden haben, dass es dort früh- und hochmittelalterliche Standorte kirchlicher Gebäude gäbe, deren räumliche Konstellationen Sternbildern des nördlichen Sternenhimmels aus der Zeit um 3000 v. C. entsprächen. Thieles Entdeckung in unserer engeren Heimat zwischen Rhein und Weser, Lippe, Ruhr und Main sei so etwas wie ein "erstes Weltwunder".
Überzeugt war ich von der Geschichte zunächst nicht. Ich blieb eher skeptisch-neugierig, wie es Herbert Knorr wohl auch gewesen sein mag, als Wolfgang Thiele ihn, den Leiter des Westfälischen Literaturbüros in Unna, im Sommer 1995 um Rat und Tat bei der Veröffentlichung seiner umfangreichen Aufzeichnungen bat. Knorr las das Manuskript und begriff: "Wenn das alles stimmte, was er da herausgefunden hatte... Unglaublich! Ein Himmel ... auf der Erde ... unter unseren Füßen ... aus der Steinzeit. 5000 Jahre alt!" Herbert Knorr hatte Feuer gefangen und stieg aktiv in das Forschungsprojekt "Der Himmel auf Erden" ein. –
Damit begann vor gut acht Jahren die gemeinsame Arbeit an einer wunderbaren Sache, aber wohl auch eine wunderbare Freundschaft zwischen dem unermüdlichen, ja besessenen Wolfgang Thiele und seinem "Alter Ego", dem anderen Ich, Herbert Knorr. Am Anfang stand die Idee, eine Vermutung, eine Hypothese, nämlich die Frage "Warum gibt es in Deutschland keine neolithischen Kultstätten wie im südenglischen Stonehenge oder im bretonischen Carnac?" Sie wurde schließlich mit dem Faktum einer ebenso verblüffenden wie faszinierenden Erkenntnis beantwortet:
Unter der Annahme, dass die ältesten Kirchen, Kapellen und Klöster auf dem Grund uralter heidnischer Kultstätten erbaut worden waren, konnten von 258 Standorten tatsächlich 237 – also 92 Prozent – eindeutig 17 Sternbildern und Einzelsternen zugeordnet werden! Und: dieser "Bodensternhimmel" bildete exakt eine Sternenkonstellation ab, die in der Zeit um 2800 v. C. in unserer Gegend nachts am Himmel zu sehen war.
Der Weg zu diesem Ergebnis war mit enormen zeitraubenden Mühen, mit Lust und Frust gepflastert. Wolfgang Thiele und Herbert Knorr haben den 25 Kapiteln ihres Buches Zitate vorangestellt. Eines, es ist dem Werk von Karl R. Popper "Die Evolution und der Baum der Erkenntnis" entnommen, trifft genau die Denk- und Arbeitsweise der Autoren in ihrem fortwährenden rastlosen Bemühen, den Prozeß der Beweisführung voranzutreiben.
"Denn ein Problem verstehen
heißt seine Schwierigkeiten verstehen;
und die Schwierigkeiten verstehen
heißt einsehen, warum es nicht leicht lösbar ist –
(...) So machen wir uns mit dem Problem vertraut
und können von schlechten Lösungen
zu besseren kommen – immer vorausgesetzt,
dass wir die schöpferische Fähigkeit haben,
immer neue Vermutungen aufzustellen."
Was jetzt als Buch vorliegt, ist der Bericht über den Forschungsprozess, in dem sich beide Autoren gemeinsam acht Jahre lang und Wolfgang Thiele allein noch mindestens 10 Jahre länger abgemüht haben, wissenschaftlich Licht ins frühgeschichtliche Dunkel zu bringen. Und das ist ihnen auch gelungen. Sie haben Erkenntnisse zu Tage gefördert, die von den etablierten Fachwissenschaften nicht ignoriert werden können. Gleichzeitig haben sie jedoch auch neue Fragen aufgeworfen. Fragen vor allem an die jeweiligen Fachwissenschaften, die nun gefordert sind, sich ihnen zu stellen und im Sinne der Aufklärung an ihrer Beantwortung mitzuwirken.
Ich habe das Buch zügig gelesen und versucht, den beschriebenen Forschungsprozess nachzuvollziehen und zu verstehen. Das war in aller Regel spannend und faszinierend, aber manchmal eben auch schwere Kost, wenn z.B. die entdeckten Sachverhalte durch komplizierte Berechnungen belegt werden. Wer sich darauf einlässt und begreift, wie da mit wissenschaftlichen Methoden, praktischer Vernunft, kriminalistischem Spürsinn, mit wachen Sinnen und hellem Verstand gearbeitet wurde und wie das erkenntnisleitende Interesse im Verfahren von Versuch und Irrtum zu schlüssigen Ergebnissen führt, der wird reich belohnt. Man spürt, wie die verschiedenen Wissenschaften ineinandergreifen und zusammenarbeiten müssen wie, um einige zu nennen, Geschichte, Geographie, Astronomie, Mathematik, Geometrie, Etymologie, Mythologie. Die Erkenntnisse der Fachwissenschaften müssen zusammengedacht und wie ein Puzzle zusammengesetzt werden. Und darüber hinaus ist Phantasie immer dann gefordert, wenn es Lücken im Mosaik gibt, die nach bestem Wissen und Gewissen geschlossen werden müssen.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, lag eine etwa einwöchige kulturgeschichtliche Lesereise in die Vergangenheit hinter mir. Manchmal ein bisschen beschwerlich, aber insgesamt faszinierend. Denn ich hatte mich auf etwas eingelassen, was mich eigentlich nie sonderlich interessiert hatte: Frühgeschichte und Astronomie.
Für die vor uns liegenden langen Winterabende, erzählt der "Himmel ist unter uns" eine Geschichte von Himmel und Erde, die sich vor 5000 Jahren in unserer Region, aber eben auch anderswo abgespielt hat. Denn wahrscheinlich, wir wissen es nicht, sind die über die Sterne vermittelten Beziehungen zwischen Himmel und Erde so alt wie die Menschheit auf diesem Planeten. Wer dieses Buch gelesen hat, wird ein Gefühl dafür bekommen, dass nicht nur die Zukunft eine Perspektive hat und offen ist, sondern auch die Geschichte. Mit Reisen ins Weltall allein werden die Rätsel und Probleme unserer Erde jedenfalls nicht gelöst.
Überzeugt war ich von der Geschichte zunächst nicht. Ich blieb eher skeptisch-neugierig, wie es Herbert Knorr wohl auch gewesen sein mag, als Wolfgang Thiele ihn, den Leiter des Westfälischen Literaturbüros in Unna, im Sommer 1995 um Rat und Tat bei der Veröffentlichung seiner umfangreichen Aufzeichnungen bat. Knorr las das Manuskript und begriff: "Wenn das alles stimmte, was er da herausgefunden hatte... Unglaublich! Ein Himmel ... auf der Erde ... unter unseren Füßen ... aus der Steinzeit. 5000 Jahre alt!" Herbert Knorr hatte Feuer gefangen und stieg aktiv in das Forschungsprojekt "Der Himmel auf Erden" ein. –
Damit begann vor gut acht Jahren die gemeinsame Arbeit an einer wunderbaren Sache, aber wohl auch eine wunderbare Freundschaft zwischen dem unermüdlichen, ja besessenen Wolfgang Thiele und seinem "Alter Ego", dem anderen Ich, Herbert Knorr. Am Anfang stand die Idee, eine Vermutung, eine Hypothese, nämlich die Frage "Warum gibt es in Deutschland keine neolithischen Kultstätten wie im südenglischen Stonehenge oder im bretonischen Carnac?" Sie wurde schließlich mit dem Faktum einer ebenso verblüffenden wie faszinierenden Erkenntnis beantwortet:
Unter der Annahme, dass die ältesten Kirchen, Kapellen und Klöster auf dem Grund uralter heidnischer Kultstätten erbaut worden waren, konnten von 258 Standorten tatsächlich 237 – also 92 Prozent – eindeutig 17 Sternbildern und Einzelsternen zugeordnet werden! Und: dieser "Bodensternhimmel" bildete exakt eine Sternenkonstellation ab, die in der Zeit um 2800 v. C. in unserer Gegend nachts am Himmel zu sehen war.
Der Weg zu diesem Ergebnis war mit enormen zeitraubenden Mühen, mit Lust und Frust gepflastert. Wolfgang Thiele und Herbert Knorr haben den 25 Kapiteln ihres Buches Zitate vorangestellt. Eines, es ist dem Werk von Karl R. Popper "Die Evolution und der Baum der Erkenntnis" entnommen, trifft genau die Denk- und Arbeitsweise der Autoren in ihrem fortwährenden rastlosen Bemühen, den Prozeß der Beweisführung voranzutreiben.
"Denn ein Problem verstehen
heißt seine Schwierigkeiten verstehen;
und die Schwierigkeiten verstehen
heißt einsehen, warum es nicht leicht lösbar ist –
(...) So machen wir uns mit dem Problem vertraut
und können von schlechten Lösungen
zu besseren kommen – immer vorausgesetzt,
dass wir die schöpferische Fähigkeit haben,
immer neue Vermutungen aufzustellen."
Was jetzt als Buch vorliegt, ist der Bericht über den Forschungsprozess, in dem sich beide Autoren gemeinsam acht Jahre lang und Wolfgang Thiele allein noch mindestens 10 Jahre länger abgemüht haben, wissenschaftlich Licht ins frühgeschichtliche Dunkel zu bringen. Und das ist ihnen auch gelungen. Sie haben Erkenntnisse zu Tage gefördert, die von den etablierten Fachwissenschaften nicht ignoriert werden können. Gleichzeitig haben sie jedoch auch neue Fragen aufgeworfen. Fragen vor allem an die jeweiligen Fachwissenschaften, die nun gefordert sind, sich ihnen zu stellen und im Sinne der Aufklärung an ihrer Beantwortung mitzuwirken.
Ich habe das Buch zügig gelesen und versucht, den beschriebenen Forschungsprozess nachzuvollziehen und zu verstehen. Das war in aller Regel spannend und faszinierend, aber manchmal eben auch schwere Kost, wenn z.B. die entdeckten Sachverhalte durch komplizierte Berechnungen belegt werden. Wer sich darauf einlässt und begreift, wie da mit wissenschaftlichen Methoden, praktischer Vernunft, kriminalistischem Spürsinn, mit wachen Sinnen und hellem Verstand gearbeitet wurde und wie das erkenntnisleitende Interesse im Verfahren von Versuch und Irrtum zu schlüssigen Ergebnissen führt, der wird reich belohnt. Man spürt, wie die verschiedenen Wissenschaften ineinandergreifen und zusammenarbeiten müssen wie, um einige zu nennen, Geschichte, Geographie, Astronomie, Mathematik, Geometrie, Etymologie, Mythologie. Die Erkenntnisse der Fachwissenschaften müssen zusammengedacht und wie ein Puzzle zusammengesetzt werden. Und darüber hinaus ist Phantasie immer dann gefordert, wenn es Lücken im Mosaik gibt, die nach bestem Wissen und Gewissen geschlossen werden müssen.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, lag eine etwa einwöchige kulturgeschichtliche Lesereise in die Vergangenheit hinter mir. Manchmal ein bisschen beschwerlich, aber insgesamt faszinierend. Denn ich hatte mich auf etwas eingelassen, was mich eigentlich nie sonderlich interessiert hatte: Frühgeschichte und Astronomie.
Für die vor uns liegenden langen Winterabende, erzählt der "Himmel ist unter uns" eine Geschichte von Himmel und Erde, die sich vor 5000 Jahren in unserer Region, aber eben auch anderswo abgespielt hat. Denn wahrscheinlich, wir wissen es nicht, sind die über die Sterne vermittelten Beziehungen zwischen Himmel und Erde so alt wie die Menschheit auf diesem Planeten. Wer dieses Buch gelesen hat, wird ein Gefühl dafür bekommen, dass nicht nur die Zukunft eine Perspektive hat und offen ist, sondern auch die Geschichte. Mit Reisen ins Weltall allein werden die Rätsel und Probleme unserer Erde jedenfalls nicht gelöst.
Aus dem Archiv - "Lesezeichen" - zum 75. Geburtstag von Hugo Ernst Käufer. Ein Beitrag von H. Peter Rose
Rede zur Buchvorstellung am 28. Februar 2002
in der Buchhandlung Lothar Junius, Gelsenkirchen
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„Gottfried Benn starb auf dem Höhepunkt seines Lebens im biblischen Alter“. Diesen Satz schrieb Hugo Ernst Käufer 1956 in einem Gedenkwort für den im Alter von 70 Jahren verstorbenen großen deutschen Lyriker. Er selbst war da gerade mal 29. Vor zwei Wochen hat Hugo Ernst Käufer sein 75. Lebensjahr vollendet und damit das „biblische Alter“ von Gottfried Benn schon um 5 Jahre übertroffen. Alles ist eben relativ, eine Frage der Zeit und des eigenen Standpunktes. Darauf kommt es an. Ich gratuliere herzlich zum Geburtstag und wünsche, gerade auch im Wissen um mancherlei gesundheitliche Probleme des Alters, für das neue Lebensjahr alles Gute.
Hugo Ernst Käufers Leben ist geprägt von Büchern und Texten, von Lesen und Schreiben. Seit 1945, als er bei der Stadt Witten in den Verwaltungsdienst eintrat und dabei auch die Stadtbücherei kennenlernte, wurde ihm seine Liebe zur Literatur mehr und mehr zum Beruf. Er bildete sich stetig und beharrlich fort. Nebenberuflich schrieb er Gedichte und mischte sich mit Veröffentlichungen und Vorträgen im „Literaturkampf“ ein. 1957 legte er das Examen als Diplom-Bibliothekar ab. Danach arbeitete er knapp 10 Jahre als Referent an der Stadtbücherei Bochum und wechselte 1966 in die Stadtbücherei nach Gelsenkirchen auf die Stelle eines Lektors und Stellvertretenden Büchereidirektors. Hier konnte er sich als Büchereifachmann praktisch bewähren und sich als Vertreter und Förderer einer engagierten gesellschaftskritischen Literatur entfalten. Er war Mitbegründer der „Literarischen Werkstatt“ und des „Werkkreises Literatur der Arbeitswelt“, wurde Mitglied im Internationalen PEN-Club. wie Sein Sachverstand war in überörtlichen Fachgremien ebenso wie in Jurys für namhafte Literaturpreise gefragt.
Als ich Ende 1975 nach Gelsenkirchen kam, hatte ich für Theater und Orchester sowie für die neuerrichtete Musikschule qualifizierte Leitungskräfte nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden. Das war keine leichte Aufgabe; denn auch damals schon war für große Sprünge in der Kultur das nötige Geld nicht vorhanden. Als dann in der Stadtbücherei durch den Tod von Dr. Karl Hotze die Stelle des Direktors vakant wurde und ernsthaft über eine Besetzung von außen nachgedacht wurde, konnte ich 1977 meinen Favoriten Hugo Ernst Käufer vor allem deshalb durchsetzen, weil damit per Saldo eine Stelle eingespart werden konnte und weil er sich nicht nur als Vertreter von Dr. Hotze in der originären Büchereiarbeit bewährt hatte, sondern weil es ihm auch über die „Literarische Werkstatt“ gelungen war, in der Stadt eine literarische Szene aufzubauen, an der auch die Volkshochschule beteiligt war und im übrigen immer noch ist. Zehn Jahre hat Hugo Ernst Käufer dann die Stadtbücherei in Gelsenkirchen geleitet. Heute vor 15 Jahren, am 28. Februar 1987 beendete er seinen aktiven bibliothekarischen Dienst. Auf dem literarischen Felde ist er seitdem jedoch als Autor und Herausgeber aktiv geblieben. Zwar hat er, wie es in einem seiner Gedichte heißt, „den Gipfel des Berges schon längst überschritten“, setzt „zögernder den Fuß zu Tal“ und spürt „leichter im Gepäck die Hoffnungen, Erwartungen und Wünsche. Aber die Erinnerungen werden geselliger von Abstieg zu Abstieg“. Erinnerungen und Reflexionen sind der Inhalt des Buches, das Hugo Ernst Käufer sich selbst zu seinem 75. Geburtstag geschenkt hat und zu dessen Lektüre Sie eingeladen sind. Aus mehr als vierhundert Essays, Reden und Rezensionen, die der Autor in den letzten fünfzig Jahren geschrieben hat, wurden knapp vierzig charakteristische Beispiele für seine Einlassungen mit Literatur, Kunst und Gesellschaft ausgewählt und als zeitlich durchgehendes Lesebuch geordnet. Der Titel – „Lesezeichen“ – ist mit Bedacht gewählt. Denn Hugo Ernst Käufer will mit seinen Texten Zeichen setzen – zum Erinnern, zum Merken, zum Verändern. Er bezieht in all seinen Beiträgen Position, wie z.B. in „Georg Weerth – der erste Dichter der deutschen Arbeiterbewegung“ (1956), wenn er mit dessen Worten bekennt, „dass das geschriebene Wort die Fähigkeit besitzt, die Unruhe wachzuhalten und die Verneinung des Bestehenden zu vollziehen“. Denn Hugo Ernst Käufer weiß mit Georg Christoph Lichtenberg: „Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ Die „Lesezeichen“ wollen uns mit Autoren bekannt machen und uns deren Werke näher bringen oder wieder in Erinnerung rufen. Sie wollen unsere Neugier wecken und unseren Lese-Appetit anregen. Dabei werfen sie Fragen auf, wie es mir erging, als ich in dem Essay über „Das erzählende Werk Heinrich Bölls“ (1963) in dem Abschnitt „Der Irrsinn des Krieges“ die Zeilen las „Langeweile und Eintönigkeit, die Einsicht, dass alles sinnlos ist, dass von der vielfach gepriesenen Freiheit des Menschen ...nichts übriggeblieben ist, dass Masseninstinkt und Roheit die Stunde bestimmen...“. Ich habe spontan am Rand notiert: „Arbeitslosigkeit – der Irrsinn im Frieden...?“ Denn auch der Frieden hat seine – allerdings subtilen – Grausamkeiten. Anregend und erkenntnisreich ist der Aufsatz „Novalis – Vorbote Europas“ (1955). Durch die Diskussion um die Osterweiterung der Europäischen Union und angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Europa und den USA ist er hochaktuell. Vor 200 Jahren schrieb Novalis bezogen auf das Europa vor und nach der Reformation: „Alte und neue Welt sind im Kampf begriffen, die Mangelhaftigkeit und Dürftigkeit der bisherigen Staatseinrichtungen sind in furchtbaren Phänomenen offenbar geworden.“ Hugo Ernst Käufer nannte diese Worte vor 47 Jahren „geradezu modern und prophetisch“. Sie treffen auch heute „auf unsere unmittelbare Gegenwart“ wieder zu.
Nun ist der 75. Geburtstag von Hugo Ernst Käufer kein Anlass, ihn zum Propheten zu machen. Das würde ihm und seiner Arbeit nicht gerecht. Er ist vielmehr ein sorgfältiger und kritischer Beobachter seiner Zeit und ein ebenso aufmerksamer wie skeptischer Leser von Texten aller Art. Mit „Lesezeichen“ gibt er öffentlich Rechenschaft über sich und „seine Zeit“, also über 50 Jahre literarischer Arbeit. Aber es sind nicht nur die Lesestücke, sondern auch die umfangreiche hundertseitige Bibliographie, die Klaus Scheibe von der Gelsenkirchener Stadtbücherei bearbeitet hat, vermitteln einen Gesamteindruck von Umfang, Bandbreite und Profil der literarischen Aktivitäten von Hugo Ernst Käufer.
Hugo Ernst Käufer hat „seine Lesezeichen“ gesetzt. Wir können uns daran orientieren, abarbeiten oder wie Brechts lesender Arbeiter dazu unsere eigenen Fragen stellen. Mehrere „Lesezeichen“ haben selbstverständlich auch mit Gelsenkirchen und seiner Literaturszene zu tun. Das war kein leichtes Spiel. Künstler und Literaten sind in der Regel Einzelkämpfer, Individualisten und deshalb nicht pflegeleicht. Das konnte Käufer nicht schrecken (und mich übrigens auch nicht). Wir wussten beide zwischen Talent und Charakter zu unterscheiden. So hat er unermüdlich Schreib-Talente aufgespürt, gefördert und dafür gesorgt, dass ihre Texte auch gedruckt wurden, vor allem in Anthologien die er initiiert und oft selbst als Herausgeber betreut hat. Wir haben ihm für die Literatur- und Leseförderung in der Stadt und darüber hinaus viel zu verdanken; denn wir wussten um die Bedeutung des Lesens schon lange vor PISA. Er hat in Gelsenkirchen wieder angeknüpft an eine Literaturtradition, die Otto Wohlgemuth schon in den zwanziger Jahren begründet hatte. Wohlgemuth, der bis 1933 Leiter der Stadtbücherei war, kommt das Verdienst zu, mit dem „Ruhrlandkreis“ der Industrieliteratur über Gelsenkirchen und das Ruhrrevier hinaus Beachtung verschafft zu haben.
Der Name Wohlgemuth wäre nun ein Stichwort für persönlich-regionale Reminiszenzen. Das würde allerdings zu weit führen. Denn Käufer, Wohlgemuth und Rose sind gleichsam „Ruhrpiraten“ aus Witten und Hattingen, oder – wie man in dieser Gegend auch sagt – eine „ganz besondere Sorte Mäuse“. Auch Karl Garbe und Paul Karalus aus Witten-Annen gehören, die mir persönlich aus Bonner Zeiten bestens bekannt sind. Dem Freund Paul Karalus ist das letzte „Lesezeichen“ gewidmet. Seit sie sich Ende 1948 kennenlernten, ist eine „Pech- und Schwefel“-Freundschaft entstanden. Sie reflektierten die eigenen Erfahrungen der schrecklichen Nazi- und Kriegszeit und träumten von Frieden und Demokratie. Aber sie träumten nicht nur, sie kämpften und stritten auch für ihre Ideale und Ideen: Aufklären, sagen was ist und die Sisyphus-Arbeit wider das Vergessen leisten. Jeder tat es auf seine Art und Weise mit Film oder Feder, mit Wort oder Bild. Diese Freundschaft hat gehalten ein Leben lang, bis Paul Karalus vor zwei Jahren starb.
„Lesezeichen“ ist ein Merk- und Erinnerungsbuch. Die Lektüre wirkt nach und weiter. Wie? – das lässt sich vielleicht mit einem ganz kleinen Gedicht des großen Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing zusammenfassen und auf den Punkt bringen:
Gestern liebt ich,
Heute leid ich,
Morgen sterb ich:
Dennoch denk ich
Heut und morgen
Gern an gestern.
Das DENNOCH ist es.
Lieber Hugo Ernst Käufer. Mögen Sie als nun 75-Jähriger auch weiterhin Ihre Energie aus dem Strom gewinnen, gegen den Sie immer geschwommen sind. Aber: lassen Sie sich – wie die „Ruhrpiraten“ in der Strömung der Ruhr – auch treiben im großen Strom der Geschichte. Denn so entstehen heute und morgen neue Geschichten.
Und jetzt haben Sie das Wort zur Lesung.
in der Buchhandlung Lothar Junius, Gelsenkirchen
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„Gottfried Benn starb auf dem Höhepunkt seines Lebens im biblischen Alter“. Diesen Satz schrieb Hugo Ernst Käufer 1956 in einem Gedenkwort für den im Alter von 70 Jahren verstorbenen großen deutschen Lyriker. Er selbst war da gerade mal 29. Vor zwei Wochen hat Hugo Ernst Käufer sein 75. Lebensjahr vollendet und damit das „biblische Alter“ von Gottfried Benn schon um 5 Jahre übertroffen. Alles ist eben relativ, eine Frage der Zeit und des eigenen Standpunktes. Darauf kommt es an. Ich gratuliere herzlich zum Geburtstag und wünsche, gerade auch im Wissen um mancherlei gesundheitliche Probleme des Alters, für das neue Lebensjahr alles Gute.
Hugo Ernst Käufers Leben ist geprägt von Büchern und Texten, von Lesen und Schreiben. Seit 1945, als er bei der Stadt Witten in den Verwaltungsdienst eintrat und dabei auch die Stadtbücherei kennenlernte, wurde ihm seine Liebe zur Literatur mehr und mehr zum Beruf. Er bildete sich stetig und beharrlich fort. Nebenberuflich schrieb er Gedichte und mischte sich mit Veröffentlichungen und Vorträgen im „Literaturkampf“ ein. 1957 legte er das Examen als Diplom-Bibliothekar ab. Danach arbeitete er knapp 10 Jahre als Referent an der Stadtbücherei Bochum und wechselte 1966 in die Stadtbücherei nach Gelsenkirchen auf die Stelle eines Lektors und Stellvertretenden Büchereidirektors. Hier konnte er sich als Büchereifachmann praktisch bewähren und sich als Vertreter und Förderer einer engagierten gesellschaftskritischen Literatur entfalten. Er war Mitbegründer der „Literarischen Werkstatt“ und des „Werkkreises Literatur der Arbeitswelt“, wurde Mitglied im Internationalen PEN-Club. wie Sein Sachverstand war in überörtlichen Fachgremien ebenso wie in Jurys für namhafte Literaturpreise gefragt.
Als ich Ende 1975 nach Gelsenkirchen kam, hatte ich für Theater und Orchester sowie für die neuerrichtete Musikschule qualifizierte Leitungskräfte nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden. Das war keine leichte Aufgabe; denn auch damals schon war für große Sprünge in der Kultur das nötige Geld nicht vorhanden. Als dann in der Stadtbücherei durch den Tod von Dr. Karl Hotze die Stelle des Direktors vakant wurde und ernsthaft über eine Besetzung von außen nachgedacht wurde, konnte ich 1977 meinen Favoriten Hugo Ernst Käufer vor allem deshalb durchsetzen, weil damit per Saldo eine Stelle eingespart werden konnte und weil er sich nicht nur als Vertreter von Dr. Hotze in der originären Büchereiarbeit bewährt hatte, sondern weil es ihm auch über die „Literarische Werkstatt“ gelungen war, in der Stadt eine literarische Szene aufzubauen, an der auch die Volkshochschule beteiligt war und im übrigen immer noch ist. Zehn Jahre hat Hugo Ernst Käufer dann die Stadtbücherei in Gelsenkirchen geleitet. Heute vor 15 Jahren, am 28. Februar 1987 beendete er seinen aktiven bibliothekarischen Dienst. Auf dem literarischen Felde ist er seitdem jedoch als Autor und Herausgeber aktiv geblieben. Zwar hat er, wie es in einem seiner Gedichte heißt, „den Gipfel des Berges schon längst überschritten“, setzt „zögernder den Fuß zu Tal“ und spürt „leichter im Gepäck die Hoffnungen, Erwartungen und Wünsche. Aber die Erinnerungen werden geselliger von Abstieg zu Abstieg“. Erinnerungen und Reflexionen sind der Inhalt des Buches, das Hugo Ernst Käufer sich selbst zu seinem 75. Geburtstag geschenkt hat und zu dessen Lektüre Sie eingeladen sind. Aus mehr als vierhundert Essays, Reden und Rezensionen, die der Autor in den letzten fünfzig Jahren geschrieben hat, wurden knapp vierzig charakteristische Beispiele für seine Einlassungen mit Literatur, Kunst und Gesellschaft ausgewählt und als zeitlich durchgehendes Lesebuch geordnet. Der Titel – „Lesezeichen“ – ist mit Bedacht gewählt. Denn Hugo Ernst Käufer will mit seinen Texten Zeichen setzen – zum Erinnern, zum Merken, zum Verändern. Er bezieht in all seinen Beiträgen Position, wie z.B. in „Georg Weerth – der erste Dichter der deutschen Arbeiterbewegung“ (1956), wenn er mit dessen Worten bekennt, „dass das geschriebene Wort die Fähigkeit besitzt, die Unruhe wachzuhalten und die Verneinung des Bestehenden zu vollziehen“. Denn Hugo Ernst Käufer weiß mit Georg Christoph Lichtenberg: „Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ Die „Lesezeichen“ wollen uns mit Autoren bekannt machen und uns deren Werke näher bringen oder wieder in Erinnerung rufen. Sie wollen unsere Neugier wecken und unseren Lese-Appetit anregen. Dabei werfen sie Fragen auf, wie es mir erging, als ich in dem Essay über „Das erzählende Werk Heinrich Bölls“ (1963) in dem Abschnitt „Der Irrsinn des Krieges“ die Zeilen las „Langeweile und Eintönigkeit, die Einsicht, dass alles sinnlos ist, dass von der vielfach gepriesenen Freiheit des Menschen ...nichts übriggeblieben ist, dass Masseninstinkt und Roheit die Stunde bestimmen...“. Ich habe spontan am Rand notiert: „Arbeitslosigkeit – der Irrsinn im Frieden...?“ Denn auch der Frieden hat seine – allerdings subtilen – Grausamkeiten. Anregend und erkenntnisreich ist der Aufsatz „Novalis – Vorbote Europas“ (1955). Durch die Diskussion um die Osterweiterung der Europäischen Union und angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Europa und den USA ist er hochaktuell. Vor 200 Jahren schrieb Novalis bezogen auf das Europa vor und nach der Reformation: „Alte und neue Welt sind im Kampf begriffen, die Mangelhaftigkeit und Dürftigkeit der bisherigen Staatseinrichtungen sind in furchtbaren Phänomenen offenbar geworden.“ Hugo Ernst Käufer nannte diese Worte vor 47 Jahren „geradezu modern und prophetisch“. Sie treffen auch heute „auf unsere unmittelbare Gegenwart“ wieder zu.
Nun ist der 75. Geburtstag von Hugo Ernst Käufer kein Anlass, ihn zum Propheten zu machen. Das würde ihm und seiner Arbeit nicht gerecht. Er ist vielmehr ein sorgfältiger und kritischer Beobachter seiner Zeit und ein ebenso aufmerksamer wie skeptischer Leser von Texten aller Art. Mit „Lesezeichen“ gibt er öffentlich Rechenschaft über sich und „seine Zeit“, also über 50 Jahre literarischer Arbeit. Aber es sind nicht nur die Lesestücke, sondern auch die umfangreiche hundertseitige Bibliographie, die Klaus Scheibe von der Gelsenkirchener Stadtbücherei bearbeitet hat, vermitteln einen Gesamteindruck von Umfang, Bandbreite und Profil der literarischen Aktivitäten von Hugo Ernst Käufer.
Hugo Ernst Käufer hat „seine Lesezeichen“ gesetzt. Wir können uns daran orientieren, abarbeiten oder wie Brechts lesender Arbeiter dazu unsere eigenen Fragen stellen. Mehrere „Lesezeichen“ haben selbstverständlich auch mit Gelsenkirchen und seiner Literaturszene zu tun. Das war kein leichtes Spiel. Künstler und Literaten sind in der Regel Einzelkämpfer, Individualisten und deshalb nicht pflegeleicht. Das konnte Käufer nicht schrecken (und mich übrigens auch nicht). Wir wussten beide zwischen Talent und Charakter zu unterscheiden. So hat er unermüdlich Schreib-Talente aufgespürt, gefördert und dafür gesorgt, dass ihre Texte auch gedruckt wurden, vor allem in Anthologien die er initiiert und oft selbst als Herausgeber betreut hat. Wir haben ihm für die Literatur- und Leseförderung in der Stadt und darüber hinaus viel zu verdanken; denn wir wussten um die Bedeutung des Lesens schon lange vor PISA. Er hat in Gelsenkirchen wieder angeknüpft an eine Literaturtradition, die Otto Wohlgemuth schon in den zwanziger Jahren begründet hatte. Wohlgemuth, der bis 1933 Leiter der Stadtbücherei war, kommt das Verdienst zu, mit dem „Ruhrlandkreis“ der Industrieliteratur über Gelsenkirchen und das Ruhrrevier hinaus Beachtung verschafft zu haben.
Der Name Wohlgemuth wäre nun ein Stichwort für persönlich-regionale Reminiszenzen. Das würde allerdings zu weit führen. Denn Käufer, Wohlgemuth und Rose sind gleichsam „Ruhrpiraten“ aus Witten und Hattingen, oder – wie man in dieser Gegend auch sagt – eine „ganz besondere Sorte Mäuse“. Auch Karl Garbe und Paul Karalus aus Witten-Annen gehören, die mir persönlich aus Bonner Zeiten bestens bekannt sind. Dem Freund Paul Karalus ist das letzte „Lesezeichen“ gewidmet. Seit sie sich Ende 1948 kennenlernten, ist eine „Pech- und Schwefel“-Freundschaft entstanden. Sie reflektierten die eigenen Erfahrungen der schrecklichen Nazi- und Kriegszeit und träumten von Frieden und Demokratie. Aber sie träumten nicht nur, sie kämpften und stritten auch für ihre Ideale und Ideen: Aufklären, sagen was ist und die Sisyphus-Arbeit wider das Vergessen leisten. Jeder tat es auf seine Art und Weise mit Film oder Feder, mit Wort oder Bild. Diese Freundschaft hat gehalten ein Leben lang, bis Paul Karalus vor zwei Jahren starb.
„Lesezeichen“ ist ein Merk- und Erinnerungsbuch. Die Lektüre wirkt nach und weiter. Wie? – das lässt sich vielleicht mit einem ganz kleinen Gedicht des großen Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing zusammenfassen und auf den Punkt bringen:
Gestern liebt ich,
Heute leid ich,
Morgen sterb ich:
Dennoch denk ich
Heut und morgen
Gern an gestern.
Das DENNOCH ist es.
Lieber Hugo Ernst Käufer. Mögen Sie als nun 75-Jähriger auch weiterhin Ihre Energie aus dem Strom gewinnen, gegen den Sie immer geschwommen sind. Aber: lassen Sie sich – wie die „Ruhrpiraten“ in der Strömung der Ruhr – auch treiben im großen Strom der Geschichte. Denn so entstehen heute und morgen neue Geschichten.
Und jetzt haben Sie das Wort zur Lesung.
Freitag, 13. Februar 2015
Wettbewerb zum "Literaturpreis Ruhr 2015" ausgeschrieben
Der Literaturpreis Ruhr ist mit seiner jährlichen Preissumme von 15.110 Euro (10.000 Euro für den Hauptpreis, je 2.555 Euro für die beiden Förderpreise) die wichtigste Auszeichnung für Autorinnen, Autoren, Kritiker und Verleger aus dem Ruhrgebiet sowie für Schriftsteller, die über diese Stadtlandschaft schreiben.
Bereits seit 1986 vergeben der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro Ruhr e.V. jährlich diesen Preis für Literatur. Während mit dem Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr die Preisträger für ihr literarisches, literaturkritisches, literaturwissenschaftliches oder verlegerisches Werk ausgezeichnet werden, gehen die beiden Förderpreise an den literarischen Nachwuchs, der sich mit unveröffentlichten Texten selbst bewerben muss. Mit der ansehnlichen Liste der Preisträger des Literaturpreises Ruhr - von Max von der Grün bis zu Michael Klaus, von Liselotte Rauner und Ralf Rothmann zu Brigitte Kronauer, von Ralf Thenior, Frank Goosen und Marion Poschmann zu Norbert Wehr, Fritz Eckenga oder Harald Hartung - steigt seine Bedeutung von Jahr zu Jahr.
Die Förderpreise 2015 werden ausgeschrieben zum Thema "Doppelleben" - ein Wort, in dem ganze Romane mitschwingen. Gefragt sind aber Texte von maximal zehn Normseiten Länge, deren Plots und Figuren auf höchst unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein können: von der Agentenexistenz in Politik und Industrie bis hin zu bürgerlicher Heimlichkeit oder den kläglichen Versuchen von Süchtigen aller Art, ein "normales" Leben vorzuspielen. Über "Doppelleben" zu schreiben, das kann aber auch bedeuten, Schatten- und Spiegelbilder des Lebens hervortreten zu lassen - oder eine Fülle, die es wie doppelt wirken lässt.
Der Einsendeschluss für Vorschläge zum Hauptpreis und für Bewerbungen um die Förderpreise ist der 19. Juni 2015. Zusendung der Ausschreibung in der Druckversion: Literaturbüro, Tel.: 02043-992644. Die vollständige Ausschreibung kann übers Internet unter der Adresse http://www.literaturbuero-ruhr.de abgerufen werden.
Mit freundlichen Grüßen Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45964 Gladbeck
Tel.: (0049)(0)2043 992 168
www.literaturbuero-ruhr.de http://de-de.facebook.com/LiteraturbueroRuhr
Bereits seit 1986 vergeben der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro Ruhr e.V. jährlich diesen Preis für Literatur. Während mit dem Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr die Preisträger für ihr literarisches, literaturkritisches, literaturwissenschaftliches oder verlegerisches Werk ausgezeichnet werden, gehen die beiden Förderpreise an den literarischen Nachwuchs, der sich mit unveröffentlichten Texten selbst bewerben muss. Mit der ansehnlichen Liste der Preisträger des Literaturpreises Ruhr - von Max von der Grün bis zu Michael Klaus, von Liselotte Rauner und Ralf Rothmann zu Brigitte Kronauer, von Ralf Thenior, Frank Goosen und Marion Poschmann zu Norbert Wehr, Fritz Eckenga oder Harald Hartung - steigt seine Bedeutung von Jahr zu Jahr.
Die Förderpreise 2015 werden ausgeschrieben zum Thema "Doppelleben" - ein Wort, in dem ganze Romane mitschwingen. Gefragt sind aber Texte von maximal zehn Normseiten Länge, deren Plots und Figuren auf höchst unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein können: von der Agentenexistenz in Politik und Industrie bis hin zu bürgerlicher Heimlichkeit oder den kläglichen Versuchen von Süchtigen aller Art, ein "normales" Leben vorzuspielen. Über "Doppelleben" zu schreiben, das kann aber auch bedeuten, Schatten- und Spiegelbilder des Lebens hervortreten zu lassen - oder eine Fülle, die es wie doppelt wirken lässt.
Der Einsendeschluss für Vorschläge zum Hauptpreis und für Bewerbungen um die Förderpreise ist der 19. Juni 2015. Zusendung der Ausschreibung in der Druckversion: Literaturbüro, Tel.: 02043-992644. Die vollständige Ausschreibung kann übers Internet unter der Adresse http://www.literaturbuero-ruhr.de abgerufen werden.
Mit freundlichen Grüßen Gerd Herholz
Wissenschaftlicher Leiter Literaturbüro Ruhr e.V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45964 Gladbeck
Tel.: (0049)(0)2043 992 168
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Montag, 9. Februar 2015
Ausstellungseröffnung Heinz-Albert Heindrichs - Würdigung durch H. Peter Rose
H. Peter Rose
Ausstellungseröffnung
Heinz-Albert Heindrichs
Werkstatt GE-Buer am 23. Januar 2015
I. Für die „werkstatt“ hat das Jahr 2015 mit einem „freudigen Ereignis“ begonnen. Sie hat nämlich Nachwuchs bekommen. Dazu gratuliere ich Wolfgang Ullrich und seinem Team ganz herzlich. Möge die „Junge werkstatt“ sich als Forum für die aktuelle Kunst mit und in der „werkstatt“ kräftig und erfolgreich entwickeln, um die lokale Kulturszene mit neuen künstlerischen Impulsen auf Trab zu bringen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen „Glückauf“ und „Prosit“ für den Rest des Jahres sowie alles Gute, Liebe und Schöne. Damit bin ich schon beim Schönen, nämlich dem „Heindrichs-Projekt“, mit dem die „werkstatt“ das künstlerische Schaffen von Heinz-Albert Heindrichs in seinem 85. Lebensjahr würdigen will. Dazu soll zur Eröffnung der Ausstellung „No-tationen, Gedichte, Palimpseste“ von der Persönlichkeit des Künstlers und von seiner künstlerischen Arbeit die Rede sein. Das ist leichter gesagt als getan. Denn Heinz-Albert Heindrichs ist Komponist, Zeichner und Dichter gleichermaßen. Aber das ist noch nicht alles. Denn er ist darüber hinaus auch noch ein ausdrucksstarker künstlerischer Interpret seiner Lieder und Gedichte. Dass diese vielfältigen künstlerischen Begabungen schon in seiner frühen Kindheit erkannt und gefördert wurden, verdankt er seinem wohlsituierten bürgerlichen und musischen Elternhaus. 1930 in Brühl geboren, also mitten in der Ebene der Köln-Bonner-Bucht, dem „Bauernland“ zwischen Vorgebirge und Rhein, wächst er in einer Region auf, die für zwei mentale Eigenarten seiner Bewohner prägend ist: der rheinische Katholizismus und der rheinische Humor. Beides ist bei ihm wohltuend spürbar. Als Siebenjähriger schreibt er sein erstes Gedicht. Und als er ein Jahr später Schuberts „Unvollendete“ auf einer Schallplatte hört, will er (Zitat) „nichts anderes mehr als Komponist werden“ und “begann Klavier zu üben und Noten zu schreiben, aber der Krieg verhinderte bald jedes musikalische Fortkommen“. Schon 1942 wird die Familie ausgebombt. Danach arbeitet der Vater als Lehrer in den Lagern der Kinderlandverschickung und bewegt sich mit der Familie auf der Flucht vor dem Bombenterror im damaligen Großdeutschen Reich mit wechselnden Wohnorten zwischen Eifel und Sudetenland. Heinz-Albert Heindrichs stellt dazu fest (Zitat): „Zukunftslos und abgeschnitten von aller Musik, nun so intensiv wie nie zuvor begann [ich] Gedichte zu schreiben, während um mich schreckliche Dinge passierten.“ Er schreibt idealistisch schöne Gedichte nach klassischen Vorbildern, die mit der damaligen Realität nichts oder nur wenig zu tun haben. Heindrichs verleugnet diese Gedichte nicht, sondern wird später erkennen (Zitat): „Offenbar hielt ich mich inmitten der Trümmer und falschen Parolen (...) an ihre Unversehrtheit“. Das hat gewiss mit seinem christlichen Glauben zu tun und hängt mit seinem ganz persönlichen „Prinzip Hoffnung“ zusammen, das seine Gedichte „beseelt“. Als die Familie nach dem Krieg in ihre rheinische Heimat zurückkehrt, ist sie erst einmal obdachlos: (Zitat): „Ich habe ein halbes Jahr in einer Gartenwirtschaft auf einem Billardtisch geschlafen und auf einem ausgedienten Wirtshausklavier zu komponieren angefangen, bis wir Ostern 1946 in eine Notwohnung nach Bonn ziehen konnten und ein Leben mit neuen Perspektiven begann, für mich vor allem mit der Entdeckung von Kunstströmungen, die uns als entartet verschwiegen worden waren.“ Der Umzug nach Bonn muss für den 16jährigen mit seinen musischen Talenten und seinen künstlerischen Ambitionen wie ein „Himmel auf Erden“ gewesen sein. Ihm erschließt sich eine neue Welt. Nun bleibt es nicht mehr nur beim Schreiben von Gedichten und dem Komponieren von Musik. Jetzt kommt die Auseinandersetzung mit bildender Kunst und dem Theater hinzu. Der Gymnasiast beginnt zu zeichnen und zu malen. Vor allem aber betätigt er sich in Laienspielgruppen und im Schultheater als Schauspieler und Regisseur sowie als Komponist von Bühnenmusik 1951 wird der Bonner Primaner zum Studententag nach Würzburg eingeladen, um in einem Bühnenstück die Titelrolle des „Hiob“ zu spielen. Dieser Auftritt hat Folgen für sein weiteres Leben und für seine künstlerische Arbeit bis heute. Denn (Zitat): „Dort begegnete ich Ursula Wiegers, sie studierte Germanistik im vierten Semester, war im Stück die Souffleuse, ist seit 1958 meine Frau, aber ab Würzburg schon die eigentliche Muse und untrügliche Kritikerin aller meiner Arbeiten.“ Sieben Jahre später, 1958, heiratet er sie und sie ihn.
II. Heinz-Albert Heindrichs studiert von 1952 bis 1957 an der Uni Bonn Germanistik, Musik- und Kunstwissenschaft und gleichzeitig an der Musikhochschule in Köln Dirigieren und Komposition. Er konzentriert sich ganz auf die Musik. Nach dem Studium wird er von den Bühnen in Essen bis 1962 und danach in Wuppertal bis 1968 für die Leitung der Schauspielmusik engagiert. Die Musikkomposition ist und bleibt zunächst der Schwerpunkt seiner Arbeit. Von 1956 bis 1972 hat er ca. 300 Theater-, Hörspiel- und Filmmusiken für in- und ausländische Bühnen und Sender geschrieben. Er arbeitet an den Theatern mit Regisseuren wie Piscator, Buckwitz, Palitzsch und Fontheim sowie bei Kunstaktionen und Happenings mit Künstlern wie Beuys, Gräsel, Lutter, Spindel und Vostell zusammen. 1960 zieht Heinz-Albert Heindrichs nach Gelsenkirchen. Er folgt seiner Frau, die schon etwas früher als promovierte Pädagogin wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt ist. Dort unterrichtet sie am Ricarda-Huch-Gymnasium Deutsch und Geschichte. In dieser Lebensphase, verbunden mit Ortswechsel und Familiengründung, denkt Heindrichs selbstkritisch über eine Veränderung seiner künstlerischen Situation nach (Zitat): „Es war eine spannende Zeit, erst die eigentliche Lehrzeit; und trotzdem versuchte ich im Verlauf der sechziger Jahre, aus dem Karussell des Kulturbetriebes, in dem ich rotierte, wieder herauszukommen; ich fühlte mich ausgenutzt, sah meine künstlerischen Ziele fremdbestimmt und verraten, und in dieser Not begann ich 1963, erst mühsam, aber dann zunehmend sicherer, erneut Gedichte zu schreiben – und sie wurden für mich, statt der Musik, zum Freiraum, in dem ich künstlerisch nicht zu vereinnahmen war.“ Mit Sprache und Pädagogik vertraut, dürfte seine Frau dazu beigetragen haben, dass Heindrichs nun wieder Gedichte schreibt und mit dem Komponieren von Lieder- und Chorzyklen beginnt. Er will Musik und Sprache zusammenzuführen und öffentlich präsentieren und „unter die Leute zu bringen“. Das gilt auch für sein inzwischen 1700 Gedichte umfassendes lyrisches Werk, das seit 1990 nach und nach in bisher 16 Bänden Rimbaud-Verlag Aachen erschienen sind. Denn: ohne Öffentlichkeit gibt es kein „Kunstwirken“, wie es auch ohne Öffentlichkeit keine Demokratie geben kann. Insofern ist die Freiheit der Kunst ein elementares Politikum für Staat und Gesellschaft. Heinz-Albert Heindrichs schreibt aber nicht nur Gedichte, sondern auch Konzert- und Theaterkritiken. Auf diese Weise mischt er sich mit seinen künstlerischen Erfahrungen und seinem theoretischen Wissen kulturkritisch ein, um einem breiteren Publikum Zugänge zu Kunst und Kultur zu eröffnen. Seit 1965 hat er ca. 2000 Berichte veröffentlicht. Der letzte ist übrigens am 21. Dezember 2014 in den Ruhr-Nachrichten zur „Czardasfürstin“ im Musiktheater erschienen. In den1960 Jahren löst er sich allmählich aus seiner ersten erfolgreichen berufsmusikalischen Karriere und wendet sich verstärkt der Musikwissenschaft zu. Aufbauend auf seinen praktischen Erfahrungen beginnt er, über Theorie, Ästhetik und Vermittlung von Musik und Kunst zu forschen. Seine Erkenntnisse gibt er sowohl publizistisch als auch über Dozenturen für die Schauspielmusik weiter, und zwar von 1964 bis 1966 am Konservatorium Dortmund und ab 1968 an der Folkwanghochschule Essen, die ihn 1971 zum ordentlichen Professor für „Musikpädagogik“ ernennt. Von 1975 bis 1980 ist er Dekan des Fachbereichs „Kunst, Design, Musik“ an der Universität Essen. Danach kehrt er wieder auf seinen Lehrstuhl „Musik und ihre Komposition“ zurück und beendet 1996 mit der Emeritierung seine musik- und kulturwissenschaftliche Universitätskarriere. Mit dieser Hinwendung zur Wissenschaft, also zu Forschung und Lehre über Musik und Komposition, erweitert er in den 1970er Jahren gleichzeitig seine freie künstlerische Arbeit noch um die Intensi vierung des Zeichnens und Malens. Ebenso wird er in dieser Zeit sogar am Gelsenkirchener Musiktheater aktiv, weil der damals neue Generalintendant Claus Leininger (1977 – 1986) Carla Henius engagiert hat, um mit ihr eine „musiktheater-werkstatt“ für „Neue Musik“ einzurichten und Carla Henius dann den ihr bekannten Musik-Experten Heindrichs beratend in ihr Team einbezieht. Das Experiment ist zwar gelungen, aber es war leider zu Ende, als Claus Leininger 1986 nach Wiesbaden wechselte und Carla Henius und die „musiktheater-werkstatt“ mitnahm. In dieser Zeit steht Heinz-Albert Heindrichs auch seiner Frau Ursula bei ihrer Märchenforschung zur Seite und unterstützt sie mit Rat und Tat in ihrer Funktion als Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft insbesondere bei Planung, Organisation und Dokumentation der Märchenkongresse und Fachtagungen, die sie während ihrer Amtszeit von 1982 als Vizepräsidentin, von 1989 bis 2001als Präsidentin und dann als Ehrenpräsidentin durchgeführt hat. Dafür ist das Ehepaar Heindrichs mit dem Europäischen Märchenpreis geehrt worden. Auch sonst hat es an Preisen und Ehrungen für beide keinen Mangel gegeben. Hervorheben möchte ich aber, dass Professor Heinz-Albert Heindrichs 1996 und Frau Dr. Ursula Heindrichs 2001 für ihre jeweilige beispielhafte kulturelle, wissenschaftliche und künstlerische Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet worden sind. Soviel zum biografischen Hintergrund, dem Rahmen, in dem sich die Künstlerpersönlichkeit von Heinz-Albert Heindrichs entfalten konnte, um uns mit seinem Kunstschaffen und Kunstwirken die Kultur unseres Gemeinwesens auf vielfältige Art und Weise zu bereichern.
III. Hier und heute ist davon in dieser Ausstellung eine Auswahl von Bildern und Gedichten des Künstlers, damit Sie sich mit seiner Kunst vertraut machen können. In einer weiteren Veranstaltung hier in der „werkstatt“ wird Hans-Jörg Löskill, ehemals Kulturredakteur der WAZ und nach wie vor kultur- und kunstpublizistisch tätig, mit dem Künstler über seine Kunst, vor allem aber über seine Musik sprechen, die auch an Beispielen zu hören sein wird. Und schließlich wird es noch einen dritte Veranstaltung, in dem Künstler die Bühne allein gehört, um seine „Nonnensense“ aufzuführen. So wird das „Projekt Heindrichs“ zu einer „runden Sache“, weil es zeigt, wie der Künstler es versteht, für seine Werke die spezifischen Mittel verschiedener Künste eigensinnig und eigenwillig und schöpferisch miteinander zu verbinden. Komposition, Zeichnen und Schreiben; Musik, Bild und Gedicht zu einem sinnlichen Gesamterlebnis zusammenzubringen. Dazu werde ich abschließend noch ein paar Gedanken oder Anmerkungen vortragen, die sich auf die Ausstellung beziehen. Eine musikalische Komposition wird in Noten festgehalten, sie ist ein musikalischer Text für das, was menschliche Stimmen singen und Musiker mit ihren Instrumenten spielen sollen. Aber das noch nicht alles. Heindrichs dienen sie als winzige, pingelig gekritzelte „Noten“ zur zeichnerischen Gestaltung von Bildern, den „No-tationen“, und später den malerisch und zeichnerisch gestalteten „Palimpsesten“, auf denen aufgetragene Farbschichten, freigekratzt und farblich in eine Form gebracht werden, um eine kribbelige, scheinbar sich bewegende irritierende Struktur auf einer monochromen Farbfläche abzubilden. Da drängen sich Fragen auf. Sollen diese Bilder vielleicht ein musikalisches Chaos darstellen? Oder sollen sie veranschaulichen, was es heißt, im Chaos der Töne für eine Komposition in unserer pausenlos musiküberfluteten oder geräuschvollen Welt den richtigen Ton zu finden? Zwischen hoch und tief, kurz und lang, laut und leise? Ich weiß es nicht, aber ich spüre, wenn ich Bilder von Heinz-Albert Heindrichs betrachte, seiner Musik lausche, mich auf ein Gedicht von ihm einlasse oder von ihm vorgetragen höre, dass da mehr drinsteckt als nur Klang-, Farb- und Formstrukturen. Sie reizen zwar meine Sinne, aber mit der sinnlichen Wahrnehmung wecken sie auch meine Seele und fordern meinen Verstand heraus, mit dem ich versuche, das Werk für mich zu reproduzieren, um es mir zu Eigen zu machen. Dabei tauchen persönliche Erinnerungen und eigene Bilder auf, die dem Kunstwerk meine Be-Deutung oder meinen Sinn hinzufügen und es so zu meinem ganz persönlichen Erlebnis machen. Und natürlich auch die Frage: Was will uns der Künstler damit sagen? Das ist die Frage nach Sinn oder Unsinn von Kunst. Heindrichs hat sie mit seinen „Nonsens“- Gedichten, etwa in der „Nonnensense“ offensiv“ aufgegriffen, um sie mimisch und musikalisch, mit Worten, Silben und „tönenden Lauten“ spielend, vorzutragen. Heinz-Albert Heindrichs versteht sich als Synästhetiker. Er produziert seine Werke ganzheitlich und gestaltet sie schöpferisch, indem er seine Künste „entgrenzt“ in das jeweilige Werk einbringt, weil sie für ihn in einer bestimmten wechselseitigen Beziehung zueinander stehen. Das ist für den Künstler schwieriger als für den Betrachter, Hörer oder Leser, weil jeder mit seinem subjektiven Wahrnehmungs-Vermögen ganz individuell das „objektive Kunstwerk an sich“ mit seinen Sinnen, seinen Gefühlen und seinem Verstand „für sich“ zu seinem Gesamterlebnis reproduzieren und zusammenfügen kann. Kunst verstehen heißt, sich einzulassen auf das Spiel künstlerischer Gestaltung mit Formen und Farben in den Bildern, mit Tönen und Klängen in der Musik und mit Wörtern und Begriffen in der Poesie. Kunst – Sinn oder Unsinn? Dazu möchte ich Ihnen zum Schluss noch ein Erlebnis schildern, dass ich anlässlich eines Konzerts von und mit Heinz-Albert Heindrichs hatte, dessen Klänge weder harmonisch oder schräg waren, sondern nur anders als gewohnt und deshalb anstrengend sowohl für ihn als Interpreten als auch für mich, bis es zu einer geradezu sensationellen Erlösung kam, als Sie, lieber Herr Professor Heindrichs, lustvoll mit einem Knall den Klavierdeckel auf die Tastatur fallen ließen. Rätselhaft!?. Warum? Der Wiener Satiriker Karl Kraus hat dazu in einem Aphorismus festgestellt: „Künstler ist nur einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.“ Und so einer ist Heinz-Albert Heindrichs.
Ausstellungseröffnung
Heinz-Albert Heindrichs
Werkstatt GE-Buer am 23. Januar 2015
I. Für die „werkstatt“ hat das Jahr 2015 mit einem „freudigen Ereignis“ begonnen. Sie hat nämlich Nachwuchs bekommen. Dazu gratuliere ich Wolfgang Ullrich und seinem Team ganz herzlich. Möge die „Junge werkstatt“ sich als Forum für die aktuelle Kunst mit und in der „werkstatt“ kräftig und erfolgreich entwickeln, um die lokale Kulturszene mit neuen künstlerischen Impulsen auf Trab zu bringen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen „Glückauf“ und „Prosit“ für den Rest des Jahres sowie alles Gute, Liebe und Schöne. Damit bin ich schon beim Schönen, nämlich dem „Heindrichs-Projekt“, mit dem die „werkstatt“ das künstlerische Schaffen von Heinz-Albert Heindrichs in seinem 85. Lebensjahr würdigen will. Dazu soll zur Eröffnung der Ausstellung „No-tationen, Gedichte, Palimpseste“ von der Persönlichkeit des Künstlers und von seiner künstlerischen Arbeit die Rede sein. Das ist leichter gesagt als getan. Denn Heinz-Albert Heindrichs ist Komponist, Zeichner und Dichter gleichermaßen. Aber das ist noch nicht alles. Denn er ist darüber hinaus auch noch ein ausdrucksstarker künstlerischer Interpret seiner Lieder und Gedichte. Dass diese vielfältigen künstlerischen Begabungen schon in seiner frühen Kindheit erkannt und gefördert wurden, verdankt er seinem wohlsituierten bürgerlichen und musischen Elternhaus. 1930 in Brühl geboren, also mitten in der Ebene der Köln-Bonner-Bucht, dem „Bauernland“ zwischen Vorgebirge und Rhein, wächst er in einer Region auf, die für zwei mentale Eigenarten seiner Bewohner prägend ist: der rheinische Katholizismus und der rheinische Humor. Beides ist bei ihm wohltuend spürbar. Als Siebenjähriger schreibt er sein erstes Gedicht. Und als er ein Jahr später Schuberts „Unvollendete“ auf einer Schallplatte hört, will er (Zitat) „nichts anderes mehr als Komponist werden“ und “begann Klavier zu üben und Noten zu schreiben, aber der Krieg verhinderte bald jedes musikalische Fortkommen“. Schon 1942 wird die Familie ausgebombt. Danach arbeitet der Vater als Lehrer in den Lagern der Kinderlandverschickung und bewegt sich mit der Familie auf der Flucht vor dem Bombenterror im damaligen Großdeutschen Reich mit wechselnden Wohnorten zwischen Eifel und Sudetenland. Heinz-Albert Heindrichs stellt dazu fest (Zitat): „Zukunftslos und abgeschnitten von aller Musik, nun so intensiv wie nie zuvor begann [ich] Gedichte zu schreiben, während um mich schreckliche Dinge passierten.“ Er schreibt idealistisch schöne Gedichte nach klassischen Vorbildern, die mit der damaligen Realität nichts oder nur wenig zu tun haben. Heindrichs verleugnet diese Gedichte nicht, sondern wird später erkennen (Zitat): „Offenbar hielt ich mich inmitten der Trümmer und falschen Parolen (...) an ihre Unversehrtheit“. Das hat gewiss mit seinem christlichen Glauben zu tun und hängt mit seinem ganz persönlichen „Prinzip Hoffnung“ zusammen, das seine Gedichte „beseelt“. Als die Familie nach dem Krieg in ihre rheinische Heimat zurückkehrt, ist sie erst einmal obdachlos: (Zitat): „Ich habe ein halbes Jahr in einer Gartenwirtschaft auf einem Billardtisch geschlafen und auf einem ausgedienten Wirtshausklavier zu komponieren angefangen, bis wir Ostern 1946 in eine Notwohnung nach Bonn ziehen konnten und ein Leben mit neuen Perspektiven begann, für mich vor allem mit der Entdeckung von Kunstströmungen, die uns als entartet verschwiegen worden waren.“ Der Umzug nach Bonn muss für den 16jährigen mit seinen musischen Talenten und seinen künstlerischen Ambitionen wie ein „Himmel auf Erden“ gewesen sein. Ihm erschließt sich eine neue Welt. Nun bleibt es nicht mehr nur beim Schreiben von Gedichten und dem Komponieren von Musik. Jetzt kommt die Auseinandersetzung mit bildender Kunst und dem Theater hinzu. Der Gymnasiast beginnt zu zeichnen und zu malen. Vor allem aber betätigt er sich in Laienspielgruppen und im Schultheater als Schauspieler und Regisseur sowie als Komponist von Bühnenmusik 1951 wird der Bonner Primaner zum Studententag nach Würzburg eingeladen, um in einem Bühnenstück die Titelrolle des „Hiob“ zu spielen. Dieser Auftritt hat Folgen für sein weiteres Leben und für seine künstlerische Arbeit bis heute. Denn (Zitat): „Dort begegnete ich Ursula Wiegers, sie studierte Germanistik im vierten Semester, war im Stück die Souffleuse, ist seit 1958 meine Frau, aber ab Würzburg schon die eigentliche Muse und untrügliche Kritikerin aller meiner Arbeiten.“ Sieben Jahre später, 1958, heiratet er sie und sie ihn.
II. Heinz-Albert Heindrichs studiert von 1952 bis 1957 an der Uni Bonn Germanistik, Musik- und Kunstwissenschaft und gleichzeitig an der Musikhochschule in Köln Dirigieren und Komposition. Er konzentriert sich ganz auf die Musik. Nach dem Studium wird er von den Bühnen in Essen bis 1962 und danach in Wuppertal bis 1968 für die Leitung der Schauspielmusik engagiert. Die Musikkomposition ist und bleibt zunächst der Schwerpunkt seiner Arbeit. Von 1956 bis 1972 hat er ca. 300 Theater-, Hörspiel- und Filmmusiken für in- und ausländische Bühnen und Sender geschrieben. Er arbeitet an den Theatern mit Regisseuren wie Piscator, Buckwitz, Palitzsch und Fontheim sowie bei Kunstaktionen und Happenings mit Künstlern wie Beuys, Gräsel, Lutter, Spindel und Vostell zusammen. 1960 zieht Heinz-Albert Heindrichs nach Gelsenkirchen. Er folgt seiner Frau, die schon etwas früher als promovierte Pädagogin wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt ist. Dort unterrichtet sie am Ricarda-Huch-Gymnasium Deutsch und Geschichte. In dieser Lebensphase, verbunden mit Ortswechsel und Familiengründung, denkt Heindrichs selbstkritisch über eine Veränderung seiner künstlerischen Situation nach (Zitat): „Es war eine spannende Zeit, erst die eigentliche Lehrzeit; und trotzdem versuchte ich im Verlauf der sechziger Jahre, aus dem Karussell des Kulturbetriebes, in dem ich rotierte, wieder herauszukommen; ich fühlte mich ausgenutzt, sah meine künstlerischen Ziele fremdbestimmt und verraten, und in dieser Not begann ich 1963, erst mühsam, aber dann zunehmend sicherer, erneut Gedichte zu schreiben – und sie wurden für mich, statt der Musik, zum Freiraum, in dem ich künstlerisch nicht zu vereinnahmen war.“ Mit Sprache und Pädagogik vertraut, dürfte seine Frau dazu beigetragen haben, dass Heindrichs nun wieder Gedichte schreibt und mit dem Komponieren von Lieder- und Chorzyklen beginnt. Er will Musik und Sprache zusammenzuführen und öffentlich präsentieren und „unter die Leute zu bringen“. Das gilt auch für sein inzwischen 1700 Gedichte umfassendes lyrisches Werk, das seit 1990 nach und nach in bisher 16 Bänden Rimbaud-Verlag Aachen erschienen sind. Denn: ohne Öffentlichkeit gibt es kein „Kunstwirken“, wie es auch ohne Öffentlichkeit keine Demokratie geben kann. Insofern ist die Freiheit der Kunst ein elementares Politikum für Staat und Gesellschaft. Heinz-Albert Heindrichs schreibt aber nicht nur Gedichte, sondern auch Konzert- und Theaterkritiken. Auf diese Weise mischt er sich mit seinen künstlerischen Erfahrungen und seinem theoretischen Wissen kulturkritisch ein, um einem breiteren Publikum Zugänge zu Kunst und Kultur zu eröffnen. Seit 1965 hat er ca. 2000 Berichte veröffentlicht. Der letzte ist übrigens am 21. Dezember 2014 in den Ruhr-Nachrichten zur „Czardasfürstin“ im Musiktheater erschienen. In den1960 Jahren löst er sich allmählich aus seiner ersten erfolgreichen berufsmusikalischen Karriere und wendet sich verstärkt der Musikwissenschaft zu. Aufbauend auf seinen praktischen Erfahrungen beginnt er, über Theorie, Ästhetik und Vermittlung von Musik und Kunst zu forschen. Seine Erkenntnisse gibt er sowohl publizistisch als auch über Dozenturen für die Schauspielmusik weiter, und zwar von 1964 bis 1966 am Konservatorium Dortmund und ab 1968 an der Folkwanghochschule Essen, die ihn 1971 zum ordentlichen Professor für „Musikpädagogik“ ernennt. Von 1975 bis 1980 ist er Dekan des Fachbereichs „Kunst, Design, Musik“ an der Universität Essen. Danach kehrt er wieder auf seinen Lehrstuhl „Musik und ihre Komposition“ zurück und beendet 1996 mit der Emeritierung seine musik- und kulturwissenschaftliche Universitätskarriere. Mit dieser Hinwendung zur Wissenschaft, also zu Forschung und Lehre über Musik und Komposition, erweitert er in den 1970er Jahren gleichzeitig seine freie künstlerische Arbeit noch um die Intensi vierung des Zeichnens und Malens. Ebenso wird er in dieser Zeit sogar am Gelsenkirchener Musiktheater aktiv, weil der damals neue Generalintendant Claus Leininger (1977 – 1986) Carla Henius engagiert hat, um mit ihr eine „musiktheater-werkstatt“ für „Neue Musik“ einzurichten und Carla Henius dann den ihr bekannten Musik-Experten Heindrichs beratend in ihr Team einbezieht. Das Experiment ist zwar gelungen, aber es war leider zu Ende, als Claus Leininger 1986 nach Wiesbaden wechselte und Carla Henius und die „musiktheater-werkstatt“ mitnahm. In dieser Zeit steht Heinz-Albert Heindrichs auch seiner Frau Ursula bei ihrer Märchenforschung zur Seite und unterstützt sie mit Rat und Tat in ihrer Funktion als Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft insbesondere bei Planung, Organisation und Dokumentation der Märchenkongresse und Fachtagungen, die sie während ihrer Amtszeit von 1982 als Vizepräsidentin, von 1989 bis 2001als Präsidentin und dann als Ehrenpräsidentin durchgeführt hat. Dafür ist das Ehepaar Heindrichs mit dem Europäischen Märchenpreis geehrt worden. Auch sonst hat es an Preisen und Ehrungen für beide keinen Mangel gegeben. Hervorheben möchte ich aber, dass Professor Heinz-Albert Heindrichs 1996 und Frau Dr. Ursula Heindrichs 2001 für ihre jeweilige beispielhafte kulturelle, wissenschaftliche und künstlerische Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet worden sind. Soviel zum biografischen Hintergrund, dem Rahmen, in dem sich die Künstlerpersönlichkeit von Heinz-Albert Heindrichs entfalten konnte, um uns mit seinem Kunstschaffen und Kunstwirken die Kultur unseres Gemeinwesens auf vielfältige Art und Weise zu bereichern.
III. Hier und heute ist davon in dieser Ausstellung eine Auswahl von Bildern und Gedichten des Künstlers, damit Sie sich mit seiner Kunst vertraut machen können. In einer weiteren Veranstaltung hier in der „werkstatt“ wird Hans-Jörg Löskill, ehemals Kulturredakteur der WAZ und nach wie vor kultur- und kunstpublizistisch tätig, mit dem Künstler über seine Kunst, vor allem aber über seine Musik sprechen, die auch an Beispielen zu hören sein wird. Und schließlich wird es noch einen dritte Veranstaltung, in dem Künstler die Bühne allein gehört, um seine „Nonnensense“ aufzuführen. So wird das „Projekt Heindrichs“ zu einer „runden Sache“, weil es zeigt, wie der Künstler es versteht, für seine Werke die spezifischen Mittel verschiedener Künste eigensinnig und eigenwillig und schöpferisch miteinander zu verbinden. Komposition, Zeichnen und Schreiben; Musik, Bild und Gedicht zu einem sinnlichen Gesamterlebnis zusammenzubringen. Dazu werde ich abschließend noch ein paar Gedanken oder Anmerkungen vortragen, die sich auf die Ausstellung beziehen. Eine musikalische Komposition wird in Noten festgehalten, sie ist ein musikalischer Text für das, was menschliche Stimmen singen und Musiker mit ihren Instrumenten spielen sollen. Aber das noch nicht alles. Heindrichs dienen sie als winzige, pingelig gekritzelte „Noten“ zur zeichnerischen Gestaltung von Bildern, den „No-tationen“, und später den malerisch und zeichnerisch gestalteten „Palimpsesten“, auf denen aufgetragene Farbschichten, freigekratzt und farblich in eine Form gebracht werden, um eine kribbelige, scheinbar sich bewegende irritierende Struktur auf einer monochromen Farbfläche abzubilden. Da drängen sich Fragen auf. Sollen diese Bilder vielleicht ein musikalisches Chaos darstellen? Oder sollen sie veranschaulichen, was es heißt, im Chaos der Töne für eine Komposition in unserer pausenlos musiküberfluteten oder geräuschvollen Welt den richtigen Ton zu finden? Zwischen hoch und tief, kurz und lang, laut und leise? Ich weiß es nicht, aber ich spüre, wenn ich Bilder von Heinz-Albert Heindrichs betrachte, seiner Musik lausche, mich auf ein Gedicht von ihm einlasse oder von ihm vorgetragen höre, dass da mehr drinsteckt als nur Klang-, Farb- und Formstrukturen. Sie reizen zwar meine Sinne, aber mit der sinnlichen Wahrnehmung wecken sie auch meine Seele und fordern meinen Verstand heraus, mit dem ich versuche, das Werk für mich zu reproduzieren, um es mir zu Eigen zu machen. Dabei tauchen persönliche Erinnerungen und eigene Bilder auf, die dem Kunstwerk meine Be-Deutung oder meinen Sinn hinzufügen und es so zu meinem ganz persönlichen Erlebnis machen. Und natürlich auch die Frage: Was will uns der Künstler damit sagen? Das ist die Frage nach Sinn oder Unsinn von Kunst. Heindrichs hat sie mit seinen „Nonsens“- Gedichten, etwa in der „Nonnensense“ offensiv“ aufgegriffen, um sie mimisch und musikalisch, mit Worten, Silben und „tönenden Lauten“ spielend, vorzutragen. Heinz-Albert Heindrichs versteht sich als Synästhetiker. Er produziert seine Werke ganzheitlich und gestaltet sie schöpferisch, indem er seine Künste „entgrenzt“ in das jeweilige Werk einbringt, weil sie für ihn in einer bestimmten wechselseitigen Beziehung zueinander stehen. Das ist für den Künstler schwieriger als für den Betrachter, Hörer oder Leser, weil jeder mit seinem subjektiven Wahrnehmungs-Vermögen ganz individuell das „objektive Kunstwerk an sich“ mit seinen Sinnen, seinen Gefühlen und seinem Verstand „für sich“ zu seinem Gesamterlebnis reproduzieren und zusammenfügen kann. Kunst verstehen heißt, sich einzulassen auf das Spiel künstlerischer Gestaltung mit Formen und Farben in den Bildern, mit Tönen und Klängen in der Musik und mit Wörtern und Begriffen in der Poesie. Kunst – Sinn oder Unsinn? Dazu möchte ich Ihnen zum Schluss noch ein Erlebnis schildern, dass ich anlässlich eines Konzerts von und mit Heinz-Albert Heindrichs hatte, dessen Klänge weder harmonisch oder schräg waren, sondern nur anders als gewohnt und deshalb anstrengend sowohl für ihn als Interpreten als auch für mich, bis es zu einer geradezu sensationellen Erlösung kam, als Sie, lieber Herr Professor Heindrichs, lustvoll mit einem Knall den Klavierdeckel auf die Tastatur fallen ließen. Rätselhaft!?. Warum? Der Wiener Satiriker Karl Kraus hat dazu in einem Aphorismus festgestellt: „Künstler ist nur einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.“ Und so einer ist Heinz-Albert Heindrichs.
Samstag, 31. Januar 2015
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